Risiko- und Schutzfaktoren – die wissenschaftliche Basis von CTC.
Das Modell der Sozialen Entwicklung von Hawkins und Catalano, das Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren und die Matrix problematischer Entwicklungsverläufe – die Basis, auf der Communities That Care seine Methodik aufbaut.
Inhaltsverzeichnis
Das Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren
Ein zentraler Baustein von CTC ist das Konzept der . Die Forschung zeigt eindeutig, dass bestimmte Bedingungen und Einflüsse im Leben junger Menschen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Problemverhalten (wie Substanzkonsum, Gewalt, Delinquenz oder Schulabbruch) erhöhen (Risikofaktoren), während andere Faktoren diese Wahrscheinlichkeit verringern und eine positive Entwicklung fördern ().
Diese Faktoren finden sich in allen wichtigen Lebensbereichen:
- Individuum/Peers: Persönliche Einstellungen (z.B. Risikobereitschaft, Haltung zu Problemverhalten), Umgang mit Freunden, frühe Verhaltensmuster.
- Familie: Erziehungsstil (z.B. Elterliche Überwachung, klare Regeln), familiärer Zusammenhalt, Konflikte, elterliche Haltung zu Problemverhalten.
- Schule: Bindung zur Schule, Schulerfolg, Schulklima, Gelegenheiten zur Beteiligung.
- Kommune/Nachbarschaft: Soziale Bindungen im Umfeld, Verfügbarkeit von Drogen oder Waffen, gemeinschaftliche Normen, Engagementmöglichkeiten.
Das Besondere: Viele dieser Faktoren wirken unspezifisch, das heißt, sie beeinflussen nicht nur ein einzelnes Problemverhalten, sondern eine ganze Bandbreite davon. Ein hoher Risikofaktor (z.B. fehlende Bindung zur Schule) kann das Risiko für mehrere Probleme (z.B. Drogenkonsum und Delinquenz) erhöhen. Umgekehrt kann ein starker Schutzfaktor (z.B. starker familiärer Zusammenhalt) vor verschiedenen Problemen schützen.
CTC nutzt dieses Wissen, indem es Kommunen hilft, die spezifischen Risiko- und Schutzfaktoren durch lokale Daten (insbesondere den CTC-Jugendsurvey) zu identifizieren, die bei ihren Kindern und Jugendlichen besonders ausgeprägt sind. Dies ermöglicht eine passgenaue und ressourceneffiziente Präventionsplanung.
Das Modell der Sozialen Entwicklung (Social Development Model – SDM)
Die entwicklungstheoretische Basis für das Verständnis, wie Risiko- und Schutzfaktoren wirken und wie positive Entwicklung gefördert werden kann, liefert das (entwickelt von Hawkins & Catalano).
Das SDM beschreibt, wie junge Menschen soziale Verhaltensweisen lernen – sowohl prosoziale (erwünschte) als auch problematische. Der Kern des Modells ist die Bindung (Bonding) an soziale Einheiten, die prosoziales Verhalten fördern: Familie, Schule, positive Peer-Gruppen und die Gemeinschaft. Eine starke Bindung fungiert als wichtiger Schutzfaktor.
Eine solche starke Bindung entsteht und wird gefestigt, wenn drei zentrale Bedingungen erfüllt sind:
- Gelegenheiten: Kinder und Jugendliche benötigen Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung und sinnvollen Teilhabe in Familie, Schule und Gemeinde. Sie müssen die Chance haben, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und positive Beiträge zu leisten.
- Fähigkeiten: Sie müssen über die notwendigen sozialen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen verfügen, um diese Gelegenheiten erfolgreich wahrzunehmen und Herausforderungen zu meistern. Dazu gehören Kommunikationsfähigkeit, Problemlösekompetenz und Selbstregulation.
- Anerkennung: Ihr Engagement, ihre Bemühungen und ihr prosoziales Verhalten müssen wahrgenommen, positiv rückgemeldet und wertgeschätzt werden. Diese Anerkennung bestärkt sie in ihrem Tun und stärkt die Bindung.
Wenn diese drei Bedingungen gegeben sind, entwickeln junge Menschen eine starke emotionale Bindung an diese prosozialen Einheiten. Diese Bindung führt dazu, dass sie die Werte, Normen und Überzeugungen dieser Gruppen übernehmen. Sie entwickeln gesunde Überzeugungen und klare Standards für ihr eigenes Verhalten.
Das Ergebnis: Junge Menschen mit starken prosozialen Bindungen zeigen mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst prosoziales Verhalten, engagieren sich positiv in ihrer Gemeinschaft und sind widerstandsfähiger (resilienter) gegenüber negativen Einflüssen und Problemverhalten. Umgekehrt führt eine schwache Bindung an prosoziale Einheiten und/oder eine starke Bindung an antisoziale Einflüsse (z.B. delinquente Peers) zur Übernahme problematischer Normen und Verhaltensweisen.
Die Rolle der Partizipation
Das Modell der Sozialen Entwicklung macht deutlich, dass Partizipation ein integraler Bestandteil erfolgreicher Prävention und Gesundheitsförderung ist. Echte Teilhabe schafft die notwendigen „Gelegenheiten“ für junge Menschen, sich zu engagieren und Bindungen aufzubauen.
Darüber hinaus ist Partizipation auch auf der Ebene der kommunalen Akteure entscheidend für den Erfolg von CTC. Der gesamte CTC-Prozess ist darauf ausgelegt, die Gemeinschaft zu befähigen (Empowerment):
- Gemeinsame Analyse: Die lokale CTC-Koalition, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Sektoren und idealerweise auch Bürgerinnen und Bürgern, analysiert gemeinsam die lokalen Daten.
- Geteilte Entscheidungsfindung: Die Koalition legt gemeinsam Prioritäten fest und entscheidet, welche evidenzbasierten Programme implementiert werden sollen.
- Lokale Eigenverantwortung: Durch die aktive Beteiligung entsteht ein Gefühl der Eigenverantwortung („Ownership“) für die Präventionsstrategie. Die Maßnahmen werden nicht von außen „verordnet“, sondern von der Gemeinschaft selbst getragen und gestaltet.
Diese partizipative Arbeitsweise ist nicht nur ein Prinzip der Gesundheitsförderung, sondern auch ein nachgewiesener Faktor für die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von kommunalen Präventionsbemühungen. Sie stärkt die „Community Capacity“ – das Leistungsvermögen der Kommune, Gesundheitsförderung erfolgreich umzusetzen.
Die Risikofaktorenmatrix: Zusammenhänge auf einen Blick
Die langjährige Forschung hat die Zusammenhänge zwischen spezifischen Risikofaktoren und verschiedenen Formen von Problemverhalten detailliert untersucht. Die folgende Matrix visualisiert eine Auswahl dieser Erkenntnisse und zeigt auf, welche Risikofaktoren sich in wissenschaftlichen Studien als besonders relevant für bestimmte Problembereiche erwiesen haben.
Von der Theorie zur Praxis
CTC übersetzt diese theoretischen Grundlagen konsequent in die praktische Arbeit vor Ort:
- Datengestützte Bedarfsanalyse: Mit dem CTC-Jugendsurvey erheben Kommunen systematisch Daten zu den relevanten Risiko- und Schutzfaktoren bei ihren Schülerinnen und Schülern.
- Partizipative Priorisierung: Basierend auf den lokalen Daten identifiziert die kommunale CTC-Koalition in einem gemeinsamen Prozess die dringendsten Handlungsbedarfe – also die am stärksten ausgeprägten Risikofaktoren und die schwächsten Schutzfaktoren.
- Gemeinsame Auswahl evidenzbasierter Programme: Mithilfe der „Grünen Liste Prävention“ wählt die Koalition gezielt Programme aus, deren Wirksamkeit bei der Beeinflussung der priorisierten Faktoren wissenschaftlich nachgewiesen ist.
- Zielgerichtete Intervention: Die ausgewählten Programme werden implementiert, um Risikofaktoren zu reduzieren, Schutzfaktoren zu stärken und Gelegenheiten für positive Entwicklung und Beteiligung zu schaffen.
- Gemeinsame Evaluation: Durch wiederholte Befragungen und die Analyse lokaler Daten wird überprüft, ob die Interventionen die gewünschten Effekte auf die Risiko- und Schutzfaktoren sowie auf das Problemverhalten haben. Der Prozess wird bei Bedarf angepasst.
Indem CTC konsequent auf diesem theoretischen Fundament aufbaut, einen datengesteuerten, evidenzbasierten Prozess verfolgt und Partizipation auf allen Ebenen fördert, maximiert es die Wahrscheinlichkeit, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachhaltig und gemeinschaftlich zu fördern.
Die soziale Entwicklungsstrategie.
Wie drei Voraussetzungen über Bindung und Überzeugungen zu gesundem Verhalten führen – eine kausale Kette in vier Schritten.
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Die soziale Entwicklungsstrategie.
Wie drei Voraussetzungen über Bindung und Überzeugungen zu gesundem Verhalten führen – eine kausale Kette in vier Schritten.
- Voraussetzungen
Drei Dinge, die die Gemeinschaft bereitstellen muss.
Damit ein junger Mensch eine tragfähige Bindung zu einer Gruppe aufbauen kann, braucht es zuerst diese drei Bedingungen – gemeinsam, nicht einzeln.
- aGelegenheitenPartizipation und Mitwirkung
- bKompetenzenFertigkeiten und Fähigkeiten
- cAnerkennungWertschätzung und Lob
- a
- Bindung
Zugehörigkeit und Vertrauen entstehen.
Aus dieser Mischung wächst eine tragfähige Bindung an die Gruppe oder Gemeinschaft – das Kind fühlt sich zugehörig und entwickelt Vertrauen.
- Gesunde Überzeugungen
Bindung plus klare Standards werden zu eigenen Werten.
Wo die Gruppe, an die sich ein Kind bindet, klare gesunde Standards lebt, übernimmt das Kind diese Standards als innere Haltung und Überzeugung.
- Ergebnis
Gesundes, prosoziales Verhalten.
Aus den eigenen Werten folgt gesundes, prosoziales und gesundheitsförderliches Handeln – das Ziel des gesamten Prozesses.
Risikofaktoren-Matrix.
Die Matrix zeigt, welche Risikofaktoren laut mindestens zwei wissenschaftlichen Längsschnittstudien mit den fünf Problemverhaltensweisen Jugendlicher in Zusammenhang stehen. Klicken Sie auf das i-Zeichen direkt neben einem Faktor, um die ausführliche Erläuterung zu öffnen – ohne den Überblick zu verlieren.
- Faktoren
- 19
- Bereiche
- 4
- Verhalten
- 5
FAMILIE4 Faktoren
- Geschichte des Problemverhaltens in der Familie
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Probleme mit dem Familienmanagement
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Konflikte in der Familie
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Zustimmende Haltungen der Eltern zu Problemverhalten
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
SCHULE3 Faktoren
- Frühes und anhaltendes unsoziales Verhalten
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Lernrückstände beginnend in der Grundschule
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Fehlende Bindung zur Schule
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
KINDER UND JUGENDLICHE5 Faktoren
- Entfremdung und Auflehnung
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Umgang mit Freunden, die Problemverhalten zeigen
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Haltungen, die Problemverhalten fördern
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Früher Beginn des Problemverhaltens
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Anlagebedingte Faktoren
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
NACHBARSCHAFT / GEBIET7 Faktoren
- Verfügbarkeit von Drogen
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Verfügbarkeit von Waffen
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Normen, die Problemverhalten fördern
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Gewalt in den Medien
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Fluktuation und Mobilität/ Häufiges Umziehen
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Wenig Bindung in der Nachbarschaft und Desorganisation in einem Gebiet
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
- Hochgradige soziale und räumliche Ausgrenzung
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol & Drogen
- Schulabbruch
- Depression & Angst
Quelle:Risikofaktoren-Tabelle nach SAMHSA/NIZW/NJI (2008); deutsche Beschriftung nach der niedersächsischen CTC-Broschüre (Landespräventionsrat Niedersachsen 2015, abgedruckt in Soellner, Frisch & Reder 2016, Tab. 5). Jeder Haken bedeutet, dass mindestens zwei wissenschaftliche Längsschnittstudien den Zusammenhang bestätigen. Teenagerschwangerschaft und Gang-Zugehörigkeit aus der amerikanischen Tabelle sind hier nicht aufgeführt, weil sie in Deutschland ohne Gewicht sind. Wie eng die Zusammenhänge in Deutschland ausfallen, haben Reder, Runge, Schlüter & Soellner (2024) an 1.911 Jugendlichen geprüft.
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Eine lineare Fassung aller Risikofaktoren, gedacht für das Ausdrucken, die Vorlese-Nutzung durch Screenreader und das lineare Lesen ohne Popovers.
- FAMILIE
Geschichte des Problemverhaltens in der Familie
Wenn Kinder in einer Familie aufwachsen, in der ein Elternteil oder ein Geschwisterteil alkohol- oder drogenabhängig ist oder war, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie später Alkohol- oder Drogenprobleme bekommen. Wenn Kinder in einer Familie mit krimineller Vergangenheit geboren werden und aufwachsen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie selbst kriminelles Verhalten entwickeln.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- FAMILIE
Probleme mit dem Familienmanagement
Der Risikofaktor Probleme mit dem Familienmanagement schließt ein, dass Eltern kein klares Bild von dem Verhalten haben, das sie sich von ihren Kindern wünschen, dass Eltern ihre Kinder ungenügend beaufsichtigen und betreuen (nicht wissen, wo ihre Kinder sind und mit wem).
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- FAMILIE
Konflikte in der Familie
Ständige und große Konflikte zwischen den Eltern untereinander oder zwischen den Eltern und ihren Kindern erhöhen das Risiko von Problemen für die Kinder. So erhöht die Erfahrung von häuslicher Gewalt bei Kindern die Wahrscheinlichkeit, dass diese zukünftig selber gewalttätiges Verhalten entwickeln können.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- FAMILIE
Zustimmende Haltungen der Eltern zu Problemverhalten
Die Einstellung und das Verhalten von Eltern in Bezug auf Drogen, Kriminalität und Gewalt beeinflussen die Einstellung und das Verhalten ihrer Kinder. Kinder von Eltern, die Gesetzesübertretungen gutheißen oder verharmlosen, sind stärker gefährdet Probleme mit Jugendkriminalität zu bekommen.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch
- SCHULE
Frühes und anhaltendes unsoziales Verhalten
Vor allem Kinder zwischen 5 und 8 Jahren, die sich in der Schule aggressiv verhalten oder Probleme haben, ihre Impulse unter Kontrolle zu halten, sind später stärker gefährdet, Drogen zu konsumieren und kriminell oder gewalttätig zu werden.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- SCHULE
Lernrückstände beginnend in der Grundschule
Schlechte Schulleistungen ab den letzten Jahren der Grundschule weisen auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Problemverhaltens hin. Kinder können aus verschiedenen Gründen schlechte Leistungen erbringen, aber ungeachtet der Ursache ist die Erfahrung des Versagens bestimmend für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Problemverhaltens.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- SCHULE
Fehlende Bindung zur Schule
Fehlende Bindung zur Schule bedeutet, dass die Schule keinen zentralen Stellenwert im Leben eines Kindes mehr einnimmt. Jugendliche, die diesen Bezugspunkt verloren haben, sind stärker gefährdet, ein Problemverhalten zu entwickeln.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
- KINDER UND JUGENDLICHE
Entfremdung und Auflehnung
Jugendliche, die nicht das Gefühl haben, ein Teil der Gesellschaft zu sein, sich nicht an gängige Regeln halten, nicht versuchen, verantwortungsvoll und erfolgreich zu sein oder die eine aktiv auflehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft einnehmen, sind stärker gefährdet, Drogen zu konsumieren, straffällig zu werden, die Schule abzubrechen und Gewalt auszuüben.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
- KINDER UND JUGENDLICHE
Umgang mit Freunden, die Problemverhalten zeigen
Jugendliche, die Umgang mit Altersgenossen pflegen, die ein Problemverhalten zeigen, sind stärker gefährdet, dieselben Probleme zu entwickeln. Dies ist einer der konstantesten in Studien nachgewiesenen Risikofaktoren.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
- KINDER UND JUGENDLICHE
Haltungen, die Problemverhalten fördern
In der Grundschule sind Kinder oft gegen Drogen und Kriminalität und können sich nicht gut vorstellen, warum Menschen Drogen konsumieren, straffällig werden oder die Schule abbrechen. Mit den Jahren kann sich ihre Einstellung ändern. Wer Drogenkonsum, Regelverstöße oder Gewalt gutheißt, ist stärker gefährdet, sie selbst zu zeigen.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
- KINDER UND JUGENDLICHE
Früher Beginn des Problemverhaltens
Je früher Jugendliche das Interesse an der Schule verlieren, Drogen konsumieren, Straftaten begehen und sexuell aktiv werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später Probleme mit diesem Verhalten bekommen.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
- KINDER UND JUGENDLICHE
Anlagebedingte Faktoren
Angeborene Abweichungen sind Faktoren, die einen biologischen oder physiologischen Ursprung haben. Diese Faktoren kommen häufig bei Jugendlichen vor, die Sensationen suchen, Gefahren nicht aus dem Weg gehen und ihre Impulse schlecht unter Kontrolle halten können.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Depressionen und Ängste
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Verfügbarkeit von Drogen
Je mehr Drogen und Alkohol innerhalb eines Gebiets verfügbar sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Gebiet Drogen konsumiert werden. Wenn bekannt ist, dass Drogen erhältlich sind, ist dies auch ein Risikofaktor.
Wirkt auf: Gewalt · Alkohol und Drogenmissbrauch
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Verfügbarkeit von Waffen
Die bundesdeutsche Gesetzgebung reguliert den Besitz von Schusswaffen im Vergleich zu den USA stark. Deshalb sind der Besitz und die Verfügbarkeit von Schusswaffen in Deutschland deutlich geringer. In Deutschland geht es bei diesem Risikofaktor deshalb vor allem um den Besitz und das Tragen von Waffen wie Messern.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Normen, die Problemverhalten fördern
Über Normen innerhalb eines Gebiets, bestehende Haltungen und Politik gegenüber Drogen, Gewalt und Kriminalität wird sehr unterschiedlich kommuniziert: durch Gesetze und Veröffentlichungen, durch informelle soziale Interaktion und durch eine Erwartungshaltung, die Eltern und andere Bewohner eines Gebiets gegenüber Jugendlichen einnehmen.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Gewalt in den Medien
Die Wirkung von Gewalt in den Medien auf das Verhalten der (vor allem jungen) Zuschauer ist schon seit langem Gegenstand von Diskussionen. Es gibt Hinweise darauf, dass Gewalt in den Medien einen Einfluss auf die Akzeptanz und Verwendung von Gewalt haben kann. Auch Rauchen und Alkohol im Film erhöhen das Risiko, dass Jugendliche selbst zu rauchen oder zu trinken beginnen.
Wirkt auf: Gewalt · Alkohol und Drogenmissbrauch
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Fluktuation und Mobilität/ Häufiges Umziehen
Bewohner von Gebieten, die ein hohes Maß an Fluktuation und Mobilität aufweisen, sind stärker gefährdet, Drogen- oder Kriminalitätsprobleme zu entwickeln. Je mehr Menschen innerhalb eines Gebiets umziehen, desto größer ist statistisch die Kriminalitäts- und Drogenrate.
Wirkt auf: Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch · Depressionen und Ängste
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Wenig Bindung in der Nachbarschaft und Desorganisation in einem Gebiet
Gebiete, deren Bewohner sich ihrer Nachbarschaft nicht verbunden fühlen, die hohe Raten an Vandalismus aufweisen und wo öffentliche Orte wenig überwacht werden, haben oft mehr Probleme mit Drogen, Drogenhandel, Kriminalität und Gewalt.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch
- NACHBARSCHAFT / GEBIET
Hochgradige soziale und räumliche Ausgrenzung
Kinder, die in Gebieten aufwachsen, in denen Armut, schlechte Lebensbedingungen und hohe Arbeitslosigkeit herrschen, sind in ihrer Pubertät und im späteren Erwachsenenalter stärker gefährdet, Probleme zu entwickeln.
Wirkt auf: Gewalt · Delinquenz · Alkohol und Drogenmissbrauch · Schulabbruch
Geschichte des Problemverhaltens in der Familie
Wenn Kinder in einer Familie aufwachsen, in der ein Elternteil oder ein Geschwisterteil alkohol- oder drogenabhängig ist oder war, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie später Alkohol- oder Drogenprobleme bekommen. Wenn Kinder in einer Familie mit krimineller Vergangenheit geboren werden und aufwachsen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie selbst kriminelles Verhalten entwickeln.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Probleme mit dem Familienmanagement
Der Risikofaktor Probleme mit dem Familienmanagement schließt ein, dass Eltern kein klares Bild von dem Verhalten haben, das sie sich von ihren Kindern wünschen, dass Eltern ihre Kinder ungenügend beaufsichtigen und betreuen (nicht wissen, wo ihre Kinder sind und mit wem).
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Konflikte in der Familie
Ständige und große Konflikte zwischen den Eltern untereinander oder zwischen den Eltern und ihren Kindern erhöhen das Risiko von Problemen für die Kinder. So erhöht die Erfahrung von häuslicher Gewalt bei Kindern die Wahrscheinlichkeit, dass diese zukünftig selber gewalttätiges Verhalten entwickeln können.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Zustimmende Haltungen der Eltern zu Problemverhalten
Die Einstellung und das Verhalten von Eltern in Bezug auf Drogen, Kriminalität und Gewalt beeinflussen die Einstellung und das Verhalten ihrer Kinder. Kinder von Eltern, die Gesetzesübertretungen gutheißen oder verharmlosen, sind stärker gefährdet Probleme mit Jugendkriminalität zu bekommen.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Frühes und anhaltendes unsoziales Verhalten
Vor allem Kinder zwischen 5 und 8 Jahren, die sich in der Schule aggressiv verhalten oder Probleme haben, ihre Impulse unter Kontrolle zu halten, sind später stärker gefährdet, Drogen zu konsumieren und kriminell oder gewalttätig zu werden.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Lernrückstände beginnend in der Grundschule
Schlechte Schulleistungen ab den letzten Jahren der Grundschule weisen auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Problemverhaltens hin. Kinder können aus verschiedenen Gründen schlechte Leistungen erbringen, aber ungeachtet der Ursache ist die Erfahrung des Versagens bestimmend für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Problemverhaltens.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Fehlende Bindung zur Schule
Fehlende Bindung zur Schule bedeutet, dass die Schule keinen zentralen Stellenwert im Leben eines Kindes mehr einnimmt. Jugendliche, die diesen Bezugspunkt verloren haben, sind stärker gefährdet, ein Problemverhalten zu entwickeln.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Entfremdung und Auflehnung
Jugendliche, die nicht das Gefühl haben, ein Teil der Gesellschaft zu sein, sich nicht an gängige Regeln halten, nicht versuchen, verantwortungsvoll und erfolgreich zu sein oder die eine aktiv auflehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft einnehmen, sind stärker gefährdet, Drogen zu konsumieren, straffällig zu werden, die Schule abzubrechen und Gewalt auszuüben.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Umgang mit Freunden, die Problemverhalten zeigen
Jugendliche, die Umgang mit Altersgenossen pflegen, die ein Problemverhalten zeigen, sind stärker gefährdet, dieselben Probleme zu entwickeln. Dies ist einer der konstantesten in Studien nachgewiesenen Risikofaktoren.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Haltungen, die Problemverhalten fördern
In der Grundschule sind Kinder oft gegen Drogen und Kriminalität und können sich nicht gut vorstellen, warum Menschen Drogen konsumieren, straffällig werden oder die Schule abbrechen. Mit den Jahren kann sich ihre Einstellung ändern. Wer Drogenkonsum, Regelverstöße oder Gewalt gutheißt, ist stärker gefährdet, sie selbst zu zeigen.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Früher Beginn des Problemverhaltens
Je früher Jugendliche das Interesse an der Schule verlieren, Drogen konsumieren, Straftaten begehen und sexuell aktiv werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später Probleme mit diesem Verhalten bekommen.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Anlagebedingte Faktoren
Angeborene Abweichungen sind Faktoren, die einen biologischen oder physiologischen Ursprung haben. Diese Faktoren kommen häufig bei Jugendlichen vor, die Sensationen suchen, Gefahren nicht aus dem Weg gehen und ihre Impulse schlecht unter Kontrolle halten können.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Verfügbarkeit von Drogen
Je mehr Drogen und Alkohol innerhalb eines Gebiets verfügbar sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Gebiet Drogen konsumiert werden. Wenn bekannt ist, dass Drogen erhältlich sind, ist dies auch ein Risikofaktor.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Verfügbarkeit von Waffen
Die bundesdeutsche Gesetzgebung reguliert den Besitz von Schusswaffen im Vergleich zu den USA stark. Deshalb sind der Besitz und die Verfügbarkeit von Schusswaffen in Deutschland deutlich geringer. In Deutschland geht es bei diesem Risikofaktor deshalb vor allem um den Besitz und das Tragen von Waffen wie Messern.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Normen, die Problemverhalten fördern
Über Normen innerhalb eines Gebiets, bestehende Haltungen und Politik gegenüber Drogen, Gewalt und Kriminalität wird sehr unterschiedlich kommuniziert: durch Gesetze und Veröffentlichungen, durch informelle soziale Interaktion und durch eine Erwartungshaltung, die Eltern und andere Bewohner eines Gebiets gegenüber Jugendlichen einnehmen.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Gewalt in den Medien
Die Wirkung von Gewalt in den Medien auf das Verhalten der (vor allem jungen) Zuschauer ist schon seit langem Gegenstand von Diskussionen. Es gibt Hinweise darauf, dass Gewalt in den Medien einen Einfluss auf die Akzeptanz und Verwendung von Gewalt haben kann. Auch Rauchen und Alkohol im Film erhöhen das Risiko, dass Jugendliche selbst zu rauchen oder zu trinken beginnen.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Fluktuation und Mobilität/ Häufiges Umziehen
Bewohner von Gebieten, die ein hohes Maß an Fluktuation und Mobilität aufweisen, sind stärker gefährdet, Drogen- oder Kriminalitätsprobleme zu entwickeln. Je mehr Menschen innerhalb eines Gebiets umziehen, desto größer ist statistisch die Kriminalitäts- und Drogenrate.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Wenig Bindung in der Nachbarschaft und Desorganisation in einem Gebiet
Gebiete, deren Bewohner sich ihrer Nachbarschaft nicht verbunden fühlen, die hohe Raten an Vandalismus aufweisen und wo öffentliche Orte wenig überwacht werden, haben oft mehr Probleme mit Drogen, Drogenhandel, Kriminalität und Gewalt.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Hochgradige soziale und räumliche Ausgrenzung
Kinder, die in Gebieten aufwachsen, in denen Armut, schlechte Lebensbedingungen und hohe Arbeitslosigkeit herrschen, sind in ihrer Pubertät und im späteren Erwachsenenalter stärker gefährdet, Probleme zu entwickeln.
Wirkt auf
- Gewalt
- Delinquenz
- Alkohol und Drogenmissbrauch
- Schulabbruch
- Depressionen und Ängste
Vertiefen Sie sich weiter.
Wissenschaftliche Literatur
261 Publikationen zu Risiko- und Schutzfaktoren, Wirksamkeit und kommunaler Prävention.
Zur BibliothekGeschichteHintergrund von CTC
Vom Forschungsansatz aus Seattle zum bundesweiten Präventionssystem in Deutschland.
Zur GeschichteMethodeKinder- und Jugendbefragung
Wie CTC mit der validierten Kinder- und Jugendbefragung die Risiko- und Schutzfaktoren in der Kommune erhebt.
Zur MethodeAblaufDer CTC-Prozess
Wie die Theorie zur Praxis wird: fünf Phasen mit Rollen, Aufgaben und Meilensteinen.
Zum AblaufBeweiskraft
Wie sicher eine Aussage über die Wirkung ist – nicht, wie groß die Wirkung ausfällt. Das GRADE-System fasst darunter das Vertrauen in die Schätzung eines Effekts und stuft es danach ab, wie wahrscheinlich weitere Forschung dieses Vertrauen verändern würde. Die Grüne Liste Prävention beurteilt die Beweiskraft eigenständig neben dem Studiendesign und macht sie von Gruppengrößen, der Zahl der Studien und dem Vorliegen deutschsprachiger Befunde abhängig.
Blueprints for Healthy Youth Development
Evidenzregister des Institute of Behavioral Science an der University of Colorado Boulder, das Präventions- und Förderprogramme nach vier Kriterien prüft: Klarheit der Beschreibung, Qualität der Evaluation, nachgewiesene Wirkung und Verbreitungsreife. Es vergibt drei Stufen – „Promising“ ab einer hochwertigen randomisiert-kontrollierten Studie oder zwei quasi-experimentellen Untersuchungen, „Model“ ab zwei starken Studien mit mindestens zwölf Monaten anhaltender Wirkung und „Model Plus“ zusätzlich bei unabhängiger Replikation. Für den deutschsprachigen Raum ist die Grüne Liste Prävention das Gegenstück.
Bundeskinderschutzgesetz
Gesetz zur Stärkung eines aktiven Kinderschutzes (BKiSchG), in Kraft seit 1. Januar 2012. Stärkt Prävention, Frühe Hilfen und die Vernetzung im Kinderschutz – ein förderlicher Rahmen für kommunale Präventionsansätze wie CTC.
Community Youth Development Study
Randomisierte kontrollierte Studie zur Wirksamkeit von CTC (24 US-Kommunen in sieben Bundesstaaten, 4.407 Jugendliche). Sie belegt anhaltende Reduktionen von Substanzkonsum, antisozialem Verhalten und Gewalt bis ins junge Erwachsenenalter.
CTC-Kinder- und Jugendbefragung
Anonyme Schülerbefragung, mit der eine Kommune in Phase 3 misst, wie verbreitet Risiko- und Schutzfaktoren sowie Problemverhalten unter den Jugendlichen im Gebiet sind. Eine für Deutschland angepasste Fassung ist seit 2008 im Einsatz; an 1.911 Jugendlichen der Klassen 6 bis 11 in Niedersachsen erwiesen sich die 23 Risikofaktorskalen als weitgehend eindimensional und gültig. Wiederholt alle zwei Jahre, zeigt sie, ob sich die vorrangigen Faktoren bewegt haben.
Effektstärke
Maßzahl für die Größe eines Unterschieds, unabhängig vom Umfang der Stichprobe. In der Prävention üblich ist Cohen's d: die Differenz der Mittelwerte, geteilt durch die Streuung. Anders als der p-Wert sagt die Effektstärke etwas über das Ausmaß der Wirkung aus und macht Studien untereinander vergleichbar; die Grüne Liste Prävention verlangt sie deshalb für Studien mit Kontrollgruppe.
Entwicklungsmodell nach Veerman und van Yperen
Vier Stufen statt der Zweiteilung in wirksam und unwirksam: Ein Programm ist zunächst nur beschrieben, dann theoretisch begründet, dann liegen erste Hinweise aus der Praxis vor, zuletzt kausale Belege. Je niedriger die Stufe, desto freier lässt sich der Evaluationsentwurf wählen; für eine kausale Aussage kommen nur Entwürfe in Betracht, die eine solche zulassen. Das Bewertungsschema der Grünen Liste Prävention folgt diesem Modell.
Follow-up
Erneute Messung nach Abschluss eines Programms. Sie zeigt, ob eine Wirkung anhält oder nur während der Maßnahme sichtbar war. Die Standards der Society for Prevention Research verlangen mindestens eine Langzeitmessung in angemessenem Abstand zum Ende der Intervention und halten sechs Monate für das sinnvolle Mindestmaß; die Grüne Liste Prävention setzt denselben Abstand an und erwartet, dass bis dahin mindestens ein positiver Effekt fortbesteht.
Frühe Hilfen
Lokale und regionale Unterstützungssysteme mit aufeinander abgestimmten Angeboten ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren, mit Schwerpunkt auf den null- bis dreijährigen Kindern. Sie verbinden ein Angebot für alle Familien mit gezielter Hilfe bei Belastungen und setzen auf die Zusammenarbeit von Gesundheitswesen, Jugendhilfe und bürgerschaftlichem Engagement. Die Begriffsbestimmung stammt vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen.
Gebietsteam
Operatives Gremium im CTC-Prozess: In ihm sollen die wichtigsten örtlichen Einrichtungen und Fachkräfte – Jugendhilfe, Schule, Gesundheit, Polizei, Zivilgesellschaft – vertreten sein. Es analysiert die lokalen Daten und entscheidet über Prioritäten und Maßnahmen.
Gemeinwesenarbeit
Klassisches Arbeitsprinzip und Fachkonzept der Sozialen Arbeit (englisch: Community Organizing): aktivierend, beteiligungs- und ressourcenorientiert, bereichsübergreifend am Sozialraum ansetzend. Disziplinäre Heimat kommunaler, koalitionsbasierter Präventionsansätze wie CTC.
Grüne Liste Prävention
Vom Landespräventionsrat Niedersachsen gepflegtes Online-Register wirksam evaluierter Präventionsprogramme, dokumentiert mit den jeweils adressierten Risiko- und Schutzfaktoren. CTC-Kommunen wählen daraus passende, geprüfte Programme aus.
Kohortendesign
Beobachtende Anlage: Eine Gruppe wird über die Zeit verfolgt und danach unterschieden, ob sie das Programm erhalten hat oder nicht; zugeteilt wird nicht. Prospektiv beginnt die Beobachtung in der Gegenwart und läuft in die Zukunft, retrospektiv wird ein bereits abgeschlossener Verlauf ausgewertet. Weil sich die Gruppen von vornherein unterscheiden können, bleibt die Gefahr verdeckter Störgrößen größer als im Zufallsversuch.
Kontrollgruppe
Gruppe, die das Programm nicht erhält und damit zeigt, wie sich die Teilnehmenden ohne das Programm vermutlich entwickelt hätten. Dieser Vergleichsmaßstab lässt sich nie beobachten, sondern nur schätzen; der Effekt ist die Differenz zwischen dem, was geschah, und dem, was ohne die Maßnahme geschehen wäre. Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, ob eine Veränderung auf das Programm oder auf Reifung, Vorerfahrung und zeitgleiche Einflüsse zurückgeht.
Landespräventionsrat Niedersachsen
1995 durch Beschluss der Landesregierung eingerichtetes Netzwerk aus rund 270 Mitgliedern – kommunale Präventionsräte, Verbände, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen; die Geschäftsstelle liegt im Niedersächsischen Justizministerium. Der Rat berät Kommunen und Land in Fragen der Gewalt- und Kriminalprävention, fördert Projekte und entwickelt Instrumente. Er hat 2011 die Grüne Liste Prävention aufgelegt und führt Communities That Care in Deutschland ein.
Lebenslagenansatz
Armuts- und Sozialbegriff, der die Lage eines Menschen nicht am Einkommen allein festmacht, sondern am Zusammenspiel von Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Teilhabe. Der Blick richtet sich auf die Spielräume, die jemand in diesen Bereichen tatsächlich hat. Die Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Bundes ist nach diesem Verständnis aufgebaut.
Manualisierung
Ein Programm ist manualisiert, wenn eine schriftliche Handlungsanleitung festlegt, was wann mit wem geschieht; erst das macht es andernorts wiederholbar und überhaupt überprüfbar. Wie genau die Anleitung eingehalten wird, entscheidet mit über den Erfolg: Eine Auswertung von knapp 500 Studien fand bei sorgfältiger Umsetzung im Mittel mindestens zwei- bis dreimal so große Effekte. Die Grüne Liste Prävention verlangt deshalb verfügbare Manuale, Schulungen und Instrumente zur Qualitätskontrolle.
Meta-Analyse
Statistisches Verfahren, das die Ergebnisse mehrerer Studien zur selben Frage in einer gemeinsamen Schätzung zusammenfasst. Jede Studie geht mit einem Gewicht ein, das ihrer Genauigkeit entspricht, und die Streuung zwischen den Studien wird eigens ausgewiesen. Eine Meta-Analyse ist nur so gut wie die Untersuchungen, die sie bündelt – veröffentlichte Befunde sind systematisch positiver als unveröffentlichte.
Positive Jugendentwicklung
Stärkenorientierter Ansatz (Positive Youth Development), der Kompetenz, Bindung, Selbstwirksamkeit und prosoziale Normen fördert. Aus derselben Forschungstradition wie CTC – Prävention als Förderung gelingender Entwicklung, nicht nur als Problemverhütung.
Prävalenz
Anteil der Personen in einer Bevölkerung, auf die ein Merkmal zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum zutrifft – eine Erkrankung, ein Verhalten oder ein Risikofaktor. Zu unterscheiden ist sie von der Inzidenz, die nur die neu hinzukommenden Fälle in einem Zeitraum zählt. Die CTC-Kinder- und Jugendbefragung liefert Prävalenzen für die Jugendlichen im Gebiet und stellt sie einem Vergleichswert gegenüber.
Universelle, selektive und indizierte Prävention
Einteilung nach der Zielgruppe, nicht nach dem Zeitpunkt. Universelle Angebote richten sich an eine ganze Bevölkerungsgruppe, ohne dass ein individuelles Risiko festgestellt wurde; selektive an Teilgruppen, deren Risiko deutlich über dem Durchschnitt liegt; indizierte an einzelne junge Menschen mit ersten Anzeichen, die noch keine Diagnose rechtfertigen. CTC arbeitet universell und selektiv.
Präventionskette
Kommunale Strategie, die vorhandene Angebote aus Gesundheit, Bildung, Jugendhilfe und Sozialem so verknüpft, dass Kinder und Familien von der Schwangerschaft bis zum Berufseinstieg ohne Bruch begleitet werden. Bekannt wurde der Begriff durch das 2011 von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und der Bertelsmann Stiftung gestartete Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen!“ mit 18 Kommunen. Anders als Communities That Care setzt der Ansatz an den Übergängen im Lebenslauf an, nicht an gemessenen Risiko- und Schutzfaktoren.
Primäre, sekundäre und tertiäre Prävention
Einteilung nach dem Zeitpunkt des Eingreifens. Primäre Prävention setzt an, bevor eine Störung auftritt, und senkt die Zahl neuer Fälle; sekundäre verkürzt die Dauer bereits begonnener Verläufe durch frühes Erkennen und Behandeln; tertiäre mindert die Beeinträchtigungen, die aus einer Störung zurückbleiben. In die Grüne Liste Prävention kommen nur primär- und sekundärpräventive Programme, weil das der Ausrichtung von CTC entspricht.
Quasi-experimentelles Design
Untersuchungsanlage mit Vergleichsgruppe, aber ohne Zufallszuteilung: Wer das Programm erhält, ergibt sich aus der Praxis. Im Feld ist das oft die einzige machbare Variante, verlangt aber zusätzliche Vorkehrungen wie mehrere Messzeitpunkte, statistische Kontrolle oder eine gestufte Einführung, weil sich Programm- und Vergleichsgruppe systematisch unterscheiden können.
Randomisiert-kontrollierte Studie
Untersuchung, in der die Teilnehmenden per Zufall der Programm- oder der Vergleichsbedingung zugelost werden. Weil der Zufall die Gruppen im Mittel vergleichbar macht, lassen sich Unterschiede am Ende eher auf das Programm zurückführen als auf vorbestehende Unterschiede. Die Standards der Society for Prevention Research verlangen für einen Wirksamkeitsnachweis mindestens zwei methodisch strenge Studien mit übereinstimmend positiven Befunden und mindestens einer signifikanten Langzeitmessung.
Risikofaktoren
Empirisch belegte Bedingungen in Individuum, Familie, Schule und Gemeinwesen, die die Wahrscheinlichkeit späteren Problemverhaltens erhöhen. CTC senkt gezielt jene Risikofaktoren, die in einem Sozialraum erhöht sind – mit erprobten Programmen.
Salutogenese
Von Aaron Antonovsky geprägtes Konzept, das nach den Entstehungsbedingungen von Gesundheit fragt (statt nur nach Krankheitsursachen). Präventionsansätze wie CTC zielen im salutogenen Sinn auf die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.
Schlüsselpersonen
Die Führungsebene, die einen CTC-Prozess mandatiert und finanziert: Bürgermeisterin oder Landrat, die Leitungen von Schulverwaltung, Jugendamt, Polizei und Gesundheitswesen sowie die Personen, die über Haushaltsmittel entscheiden. Sie sagen zu Beginn öffentlich zu, berufen das Gebietsteam, nehmen Gebietsprofil und Aktionsplan entgegen und billigen die Prioritäten. Von ihnen zu unterscheiden ist das Gebietsteam, das die Daten auswertet und den Plan schreibt.
Schutzfaktoren
Merkmale in Individuum, Familie, Schule und Gemeinwesen, die eine gesunde Entwicklung begünstigen und die Wirkung von Risikofaktoren abpuffern. CTC erhebt und stärkt sie gezielt – nicht nur die Senkung von Risikofaktoren.
§ 20a SGB V
Rechtsgrundlage der gesetzlichen Krankenkassen für Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (Kita, Schule, Kommune, Pflege) – u. a. für den Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen. Eingeführt durch das Präventionsgesetz 2015.
„… mit Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten insbesondere den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen." (§ 20a Abs. 1 SGB V)
SGB VIII
Achtes Buch Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe. Regelt Leistungen und Aufgaben der Jugendhilfe; § 1 verankert einen fördernden, präventiven Auftrag. CTC ist an diese Strukturen anschlussfähig.
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit." (§ 1 Abs. 1 SGB VIII)
§ 8 SGB VIII
Beteiligungsrecht der Kinder- und Jugendhilfe: Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Maßstab für die unmittelbare Partizipation junger Menschen – auch in kommunalen Präventionssystemen wie CTC.
„Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen." (§ 8 Abs. 1 SGB VIII)
Statistische Signifikanz
Ein Befund heißt signifikant, wenn die Daten unter der Annahme, dass es keinen Unterschied gibt, hinreichend unwahrscheinlich wären; üblich ist eine Schwelle von fünf Prozent. Die American Statistical Association hält dazu fest, dass ein p-Wert weder die Größe eines Effekts noch die Bedeutung eines Ergebnisses misst und dass wissenschaftliche wie politische Schlüsse nicht allein davon abhängen sollten, ob er eine Schwelle unterschreitet.
Sozialraum
Der lebensweltliche, räumliche Kontext (Quartier, Nachbarschaft, Kommune), in dem Menschen aufwachsen. CTC arbeitet sozialraumbezogen: Es analysiert Belastungen und Ressourcen eines Gebiets und setzt dort an – ohne einzelne Kinder zu etikettieren.
Theory of Change
Ausformulierte Annahme darüber, wie ein Programm wirkt: welche Schritte von der Maßnahme über Zwischenergebnisse zum angestrebten Ziel führen und welche Bedingungen dabei erfüllt sein müssen. Sie entsteht vor der Umsetzung gemeinsam mit den Beteiligten und legt fest, was später gemessen wird. In der Grünen Liste Prävention zählt eine Theory-of-Change-Studie als Evaluationsniveau von einem Stern: Sie prüft die angenommene Wirkkette, nicht die Wirkung gegen eine Kontrollgruppe.
Übertragbarkeit
Die Frage, ob ein anderswo entwickeltes Programm auch hier wirkt. Zwischen Programmtreue und Passung besteht eine Spannung: Eine starre Übernahme geht an der Zielgruppe vorbei, eine freie Anpassung kann gerade die wirksamen Bestandteile entfernen; beides lässt sich nur planvoll und dokumentiert austarieren. Die Grüne Liste Prävention stuft die Übertragbarkeit nach der Zahl deutschsprachiger Studien in vier Grade von gegeben bis unklar ein.