Häufig gestellte Fragen.
Von der ersten Grundsatzfrage bis zur Auswahl eines Pilotgebiets – gesammelte Antworten für Kommunen, die Communities That Care prüfen oder einführen.
Was CTC ist
Was genau ist Communities That Care (CTC) und was will es erreichen?
Communities That Care (CTC) ist ein international anerkannter und wissenschaftlich fundierter Ansatz zur kommunalen Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche. Es ist keine einzelne Maßnahme, sondern ein strategisches System: Es hilft Kommunen, Problemverhalten wie Substanzkonsum, Gewalt, Delinquenz und Schulabbrüche wirksam vorzubeugen und ein gesundes Aufwachsen zu fördern. Entwickelt wurde CTC an der School of Social Work der University of Washington. Der Ansatz stammt aus der Sozialen Arbeit und steht in der Tradition der .
Das Hauptziel ist, Kommunen handlungsfähig zu machen. Sie planen ihre Präventionsarbeit auf Basis lokaler Daten, vor allem aus dem CTC-Jugendsurvey, wählen mithilfe der „Grünen Liste Prävention“ passende evidenzbasierte Programme aus und setzen diese qualitätsgesichert um. Dabei stärkt CTC die Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg, zwischen Verwaltung, Schulen, Jugendhilfe, Polizei, Gesundheitswesen und Vereinen, und bezieht die Menschen im ausdrücklich ein.
Ist die Wirksamkeit von CTC wissenschaftlich belegt?
Ja, international ist sie gut belegt. Die wichtigste Studie ist die (CYDS) aus den USA, eine randomisierte kontrollierte Studie mit über 4.400 Jugendlichen, die über viele Jahre begleitet wurden. Sie zeigt:
- Jugendliche in CTC-Kommunen wiesen geringere Raten bei Substanzkonsum, Gewalt und Delinquenz auf.
- Diese Wirkungen hielten bis ins junge Erwachsenenalter an, mindestens bis zum Alter von 21 bis 23 Jahren.
- Auch der Wirkmechanismus bestätigte sich: Die kommunale Zusammenarbeit verbesserte sich, und wissenschaftsbasierte Präventionsansätze wurden häufiger übernommen.
- Jeder investierte Dollar brachte durch vermiedene Folgekosten ein Vielfaches an gesellschaftlichem Nutzen.
Für Deutschland ist die Befundlage vorläufiger. In der CTC-EFF-Studie hat sich die Zahl der umgesetzten evidenzbasierten Programme in CTC-Kommunen mehr als verdoppelt, und Kommunen mit höherer Präventionskapazität weisen einen geringeren Substanzkonsum bei Jugendlichen auf. Letzteres ist bislang als Zusammenhang belegt – nicht als kausale Wirkung. Auf der Ebene des kommunalen Präventionssystems blieben signifikante Effekte bis 2023 aus; die Erhebung fiel ganz in die Pandemiejahre, und den Kommunen fehlte eine finanzierte Koordinierungsstelle. Die Autoren betonen, das sei kein Beleg gegen die Wirksamkeit von CTC, und empfehlen eine längere Beobachtung. Der Nachweis von Verhaltenseffekten in Deutschland ist Gegenstand laufender Forschung.
Wie verbindet CTC Risiken und Stärken junger Menschen?
CTC ist ein Modell aus Risiko- und ; beide werden erhoben und bearbeitet. Der Jugendsurvey erfasst Belastungen ebenso wie Stärken und Ressourcen im Umfeld, und der Aktionsplan zielt gezielt darauf, Schutzfaktoren auszubauen: Bindung, Beteiligungschancen, Kompetenzen und Anerkennung. Genau das ist Ressourcenförderung.
Zwei Prinzipien prägen das Vorgehen. Angesetzt wird am Sozialraum, nicht am Einzelfall: Die Jugendbefragung ist anonym und wird nur aggregiert ausgewertet, einzelne „Risikokinder“ werden weder ausgemacht noch etikettiert. Und es geht um Förderung, nicht allein um Vermeidung. Das zugrunde liegende und die setzen auf gelingendes Aufwachsen und den Aufbau von Stärken.
Der gelegentliche Eindruck, CTC sei „nur“ defizitorientiert, greift daher zu kurz: Risiken zu kennen und Stärken zu fördern gehören zusammen. Ausführlich dazu: Communities That Care: aus der Sozialen Arbeit – und mit Wirksamkeitsnachweis.
Einführung und Ablauf
Wie läuft der CTC-Prozess in unserer Kommune ab und wie aufwändig ist das?
CTC folgt einem strukturierten 5-Phasen-Prozess. Von der Vorbereitung bis zum verabschiedeten Aktionsplan dauert der erste Durchlauf in der Regel etwa 1,5 bis 2 Jahre; die Umsetzung schließt sich daran an, und danach wird der Zyklus wiederholt:
- Vorbereiten: gewinnen, Rahmenbedingungen klären.
- Organisieren und Rückhalt schaffen: Eine lokale Koalition gründen, also eine strategische Lenkungsgruppe und ein operatives ; das Modell sieht darin neben Fachkräften ausdrücklich auch Eltern, Anwohner und Jugendliche vor. Dazu die CTC-Koordination benennen und die durchführen.
- Gebietsprofil erstellen: Lokale Daten aus Survey und Statistik analysieren, identifizieren und priorisieren, bestehende Angebote erfassen.
- Aktionsplan erstellen: Messbare Ziele definieren, evidenzbasierte Programme auswählen, die Umsetzung planen.
- Aktionsplan umsetzen und evaluieren: Maßnahmen durchführen, die Umsetzung beobachten und den Plan anpassen. Die Folgebefragung, mit der sich Veränderungen messen lassen, liegt einige Jahre später – siehe Welche Ziele sind nach 3, 5 und 10 Jahren realistisch?
Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Die Kommune muss politisch hinter dem Ansatz stehen und ihn per Beschluss absichern, und Schlüsselpersonen aus verschiedenen Bereichen müssen aktiv mitarbeiten. Nötig sind außerdem die Offenheit, den Befragungsergebnissen zu folgen und danach zu entscheiden, sowie Mittel für die Programme, die am Ende umgesetzt werden sollen.
Die wichtigste Voraussetzung ist eine dedizierte Koordination: Eine Person oder Stelle muss den Prozess steuern. Die Handlungsempfehlungen der Medizinischen Hochschule Hannover nennen einen halben Stellenanteil (0,5 VZÄ) als Untergrenze. In größeren Städten mit mehreren Ämtern und Dezernaten reicht das erfahrungsgemäß nicht; dort hat sich eine volle Stelle bewährt. Eine zu knapp ausgestattete Koordination ist der häufigste Grund dafür, dass ein Prozess ins Stocken gerät – was dagegen hilft.
Welche Ziele sind nach 3, 5 und 10 Jahren realistisch?
Für einen sozialraumbezogenen Einstieg gilt dieser Zeithorizont als realistisch:
- Nach 3 Jahren: Steuerungsstruktur aufgebaut, Erstbefragung durchgeführt und ausgewertet, Gebietsprofil mit priorisierten vorgelegt, Aktionsplan verabschiedet, erste Maßnahmen begonnen.
- Nach 5 Jahren: Folgebefragung durchgeführt, Veränderungen in den priorisierten Risiko- und Schutzfaktoren werden messbar, Aktionsplan entsprechend angepasst, Koordination institutionell verankert.
- Nach 10 Jahren: Zweiter vollständiger Zyklus abgeschlossen, Aussagen über längere Zeitreihen möglich, CTC fester Bestandteil der kommunalen Präventionsplanung.
Ein vollständiger Zyklus einschließlich Folgebefragung braucht mindestens fünf Jahre. Kürzere Förderzeiträume erlauben den Einstieg in den Prozess, liefern aber keine Vergleichsdaten.
Messbar werden in diesem Zeitraum Veränderungen in den Risiko- und Schutzfaktoren. Der Nachweis von Verhaltenseffekten in Deutschland ist Gegenstand laufender Forschung; mehr dazu unter Ist die Wirksamkeit von CTC wissenschaftlich belegt?
Rechtfertigt der Aufwand der Kinder- und Jugendbefragung den Nutzen?
Kommunale Verwaltungsdaten aus Jugendhilfe, Polizei und Schule sind Spätindikatoren: Sie messen, was bereits eingetreten ist, also Straftaten, Hilfen zur Erziehung, Schulabbrüche. Wertvoll sind sie – aber reaktiv.
Die Kinder- und Jugendbefragung misst etwas anderes, nämlich : die Bedingungen, die künftiges Problemverhalten wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Sie ist damit ein Frühindikator. Vier Dinge liefern Verwaltungsdaten strukturell nicht:
- Die Sicht der Jugendlichen selbst. Verwaltungsdaten geben die Sicht der Institutionen wieder, und die Perspektive der Jugendlichen weicht davon systematisch ab.
- Eine Auflösung nach . Kommunale Daten liegen meist auf Stadtebene vor, die Befragung liefert Risikolagebilder für einzelne Stadtteile.
- Die gleichzeitige Erfassung aller Lebensbereiche. Familie, Schule, Freundeskreis und Gemeinwesen werden zusammen erhoben; in keinem kommunalen Datensystem laufen diese Daten zusammen.
- Vergleichbarkeit über Zeit. Weil das Instrument standardisiert ist, lässt sich die Folgebefragung direkt mit der Erstbefragung vergleichen.
Hinzu kommt ein rechtlicher Gesichtspunkt. Die Jugendhilfeplanung nach § 80 verlangt, den Bedarf „unter Berücksichtigung der Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Erziehungsberechtigten“ zu ermitteln. Die Befragung ist das Instrument, das genau diese Perspektive systematisch erhebt; wie CTC den Planungsauftrag des Gesetzes einlöst, steht in CTC als Verwirklichungsinstrument des Kinder- und Jugendhilfegesetzes.
Ergänzende kommunale Daten sind methodisch nicht zwingend, um ein Gebietsprofil zu erstellen, strategisch aber wichtig: Sie stellen die Befragungsergebnisse in einen behördlich anerkannten Zusammenhang und machen sie in Gremien vermittelbar.
Sollten wir CTC stadtweit einführen oder mit einem Pilotgebiet beginnen?
Ein fokussierter Einstieg in einem oder zwei Sozialräumen ist der Regelfall. Gegen einen flächendeckenden Start sprechen drei Dinge: Die Koordinationskapazität einer Kommune reicht dafür selten aus, ein Gebietsprofil auf Ebene der Gesamtstadt ist für gezielte Maßnahmenplanung zu grob, und ein Pilot liefert früher verwertbare Ergebnisse, mit denen sich eine Ausweitung begründen lässt.
Bei der Gebietsauswahl zählt nicht allein der Sozialindex. Günstig sind bestehende Kooperationsstrukturen vor Ort, ein von den Akteuren selbst als drängend wahrgenommenes Problem aus einem der CTC-Schwerpunkte, Offenheit der für eine datenbasierte Methodik, ein lebensweltlich zusammenhängendes Quartier, eine Überschneidung von Wohngebiet und Schuleinzugsbereich sowie die Möglichkeit, an einen laufenden Planungsprozess anzuknüpfen.
Zwiespältig ist hoher akuter Handlungsdruck. Er mobilisiert die Beteiligten, aber Gebiete im Dauerkrisenmodus haben keine Kapazität für einen Planungsprozess; günstig ist sichtbarer Bedarf ohne überwältigende Notlage.
Gegen ein Gebiet spricht, wenn dort ein anderes großes Vorhaben schon Priorität hat, etwa ein Förderprogramm, ein Stadtentwicklungsvorhaben oder eine konkurrierende Präventionsinitiative. Akteursmüdigkeit und Konkurrenz um knappe Mittel sind dann vorprogrammiert.
Welche Rücklaufquoten sind realistisch, und was bedeutet eine geringe Beteiligung?
Bei guter schulischer Organisation und aktiver Unterstützung durch Schulleitungen und kommunales Begleitpersonal liegen die Rücklaufquoten erfahrungsgemäß bei 60 bis 80 Prozent. Entscheidend sind die frühe Einbindung der Schulen und eine klare Aussage über den Nutzen für die Schule selbst.
Nehmen Schulen systematisch nicht teil – gerade solche in belasteten Lagen –, gibt das Gebietsprofil das Bild der beteiligten Schulen wieder, nicht das des Sozialraums. Je niedriger die Beteiligung, desto vorsichtiger sind die Schlussfolgerungen zu formulieren; unterhalb von etwa der Hälfte ist die Aussagekraft deutlich eingeschränkt. Das wird im Bericht offen ausgewiesen.
Steuerung und Gremien
Wie ist eine CTC-Lenkungsgruppe zusammengesetzt, und was entscheidet sie?
Eine funktionierende Lenkungsgruppe ist multisektoral und auf Entscheidungsebene besetzt, in Großstädten typischerweise mit 10 bis 15 Personen, in kleineren Kommunen entsprechend weniger:
- Verwaltung: Jugendamt, Gesundheitsamt und Schulamt, jeweils auf Leitungsebene
- Schulen: eine Vertretung der Schulleitungen aus dem Gebiet
- Polizei: kommunale Prävention oder Jugendsachbearbeitung
- Freie Träger: Jugendhilfe, Sozialarbeit, gegebenenfalls Suchtprävention
- Zivilgesellschaft: Wohlfahrtsverbände, Elternvertretung, Migrantenorganisationen
Als Gremium hat die Lenkungsgruppe keine formellen Weisungsbefugnisse. Ihre Steuerungswirkung entsteht daraus, dass ihre Mitglieder aus Institutionen kommen, die in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich selbst entscheiden können; Beschlüsse werden von den Mitgliedern in ihre Institutionen hineingetragen und dort umgesetzt.
Zu ihren Aufgaben gehören die Priorisierung der , die Verabschiedung des Aktionsplans und Entscheidungen über die Ressourcenverwendung, nicht aber operative Einzelfallentscheidungen. In der Aufbau- und Profilphase tagt sie erfahrungsgemäß vier- bis sechsmal im Jahr, in der Umsetzungsphase zwei- bis viermal.
Neue Parallelstrukturen entstehen dabei nicht. Wo funktionierende kommunale Präventionsgremien bestehen, wird CTC in diese integriert, statt neue Gremien zu gründen. CTC hat keine eigenen Programme und keine eigene Infrastruktur; es ist ein Planungs- und Steuerungsrahmen, der bestehende Strukturen mit einer systematischen Methodik ausstattet.
Was braucht es, damit CTC in einer Kommune gelingt?
Die Medizinische Hochschule Hannover hat im Rahmen der CTC-EFF-Studie acht Faktoren benannt, die über die Umsetzungsqualität entscheiden:
- Ausreichende Ressourcen für die CTC-Koordination
- Wirksame Kommunikation im
- Systematische Einarbeitung neuer Teammitglieder
- Bedarfsgerechte Unterstützung durch die CTC-Transferstellen
- Haltung und Motivation der Beteiligten
- Fundiertes CTC-spezifisches Präventionswissen
- Wirksame Öffentlichkeitsarbeit
- Breite Beteiligung am lokalen Prozess
Ausführlich, mit einer Priorisierung nach Prozessphase und einem Selbstcheck für Kommunen: Die 8 Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche CTC-Implementation.
Was bringt einen CTC-Prozess ins Stocken, und was hilft?
Was hilft, lässt sich aus den Erfahrungen im deutschen CTC-Netzwerk recht klar benennen. An erster Stelle steht politische Rückendeckung auf Leitungsebene: Ohne aktive Unterstützung scheitert CTC an Verwaltungsrealitäten, nicht an der Methodik. Ähnlich wichtig ist eine ausreichend ausgestattete Koordination. Günstig ist außerdem eine bestehende Präventionsstruktur, in die CTC hineinwachsen kann, statt sie erst aufzubauen.
Drei weitere Punkte entscheiden sich im Zuschnitt des Prozesses. Erwartungen sollten geklärt sein, denn CTC löst keine akuten Ordnungsprobleme, sondern verbessert systematisch die Steuerung von Prävention. Der Einstieg sollte über ein Pilotgebiet laufen statt flächendeckend. Und die Ergebnisse sollten schnell zurückkommen, drei bis vier Monate nach der Befragung.
Was bremst, ist vor allem eine zu knapp ausgestattete Koordination. Sie ist der häufigste einzelne Grund: Ohne ausreichende personelle Ressource geht der Prozess in der Alltagslast unter. Ebenso häufig fehlt die Anschlussfinanzierung. Wird CTC als Projekt geführt, endet es mit der Förderung; die Koordinationsstelle in die Haushaltsplanung aufzunehmen, ist deshalb die wichtigste einzelne Weichenstellung.
Weiter blockieren Zuständigkeitskonflikte zwischen Ressorts, weil CTC dezernatsübergreifende Zusammenarbeit erfordert. Ein Aktionsplan ohne Mittel für die Umsetzung erzeugt Frustration bei allen Beteiligten. Und lange Wartezeiten zwischen Befragung und Ergebnis beschädigen die Akzeptanz, gerade bei ohnehin skeptischen Beteiligten.
Der kritische Moment ist der Übergang von der Erhebung zur sichtbaren Maßnahme. Eine erste konkrete Maßnahme innerhalb von sechs bis zwölf Monaten hält die Beteiligung aufrecht, auch wenn der vollständige Aktionsplan noch in Arbeit ist.
Recht, Kosten und Unterstützung
Welche Kosten entstehen durch CTC und wie kann die Finanzierung aussehen?
Die Kosten setzen sich aus vier Komponenten zusammen:
- Externe Prozessbegleitung: erfahrene CTC-Trainer, die die Koalition schulen, den Prozess moderieren und beraten. Diese Kosten werden meist auf Stundenbasis kalkuliert und richten sich nach dem Begleitungsbedarf über die fünf Phasen. Erforderlich ist die Begleitung nur zur Einführung.
- CTC-Jugendsurvey: Durchführung und Auswertung der standardisierten .
- Interne Ressourcen: Personalkosten für die lokale CTC-Koordination, mindestens 0,5 VZÄ und in größeren Städten eine volle Stelle, dazu die Arbeitszeit der Beteiligten in der Koalition.
- Maßnahmenumsetzung: Einführung und Durchführung der ausgewählten evidenzbasierten Präventionsprogramme.
Finanziert wird das in der Regel aus mehreren Quellen. Neben kommunalen Haushaltsmitteln ist die Förderung nach häufig genutzt, oft für die Prozessbegleitung oder für einzelne Maßnahmen in Lebenswelten; ein Eigenanteil der Kommune ist dabei üblich. Die FINDER Akademie unterstützt Kommunen bei der Antragstellung. Hinzu kommen können Mittel der Jugendhilfe, schulische Budgets, Stiftungen, Landesprogramme und EU-Mittel. Auch das Bündeln von Personal- oder Sachressourcen zwischen den beteiligten Organisationen entlastet das Budget.
Ein Gesichtspunkt, der in der Haushaltsberatung oft untergeht: Das Gebietsprofil beantwortet zugleich die Frage, zu deren Klärung die Jugendhilfeplanung nach § 80 verpflichtet. Die Erhebung dient damit zwei Planungsprozessen; ausführlich dazu CTC als Verwirklichungsinstrument des Kinder- und Jugendhilfegesetzes.
Welche Unterstützung erhalten wir bei der Einführung und Umsetzung von CTC?
Kommunen, die sich für CTC entscheiden, werden nicht alleingelassen. Zertifizierte Trainer und Berater begleiten den gesamten Prozess, in Niedersachsen etwa der dortige , bundesweit die FINDER Akademie. Für jede der fünf Phasen gibt es eigene Schulungsmodule, die das nötige Wissen und die Methoden vermitteln, und die Begleitung umfasst auch die Organisation und Moderation von Koalitionstreffen, Arbeitssitzungen und Planungsprozessen.
Dazu kommen die Instrumente:
- CTC-Jugendsurvey: der standardisierte Fragebogen für die Datenerhebung.
- Auswertungshilfe: Unterstützung bei der Interpretation der Ergebnisse und beim Erstellen des Gebietsprofils.
- Grüne Liste Prävention: das Online-Register für die Auswahl geprüfter, evidenzbasierter Programme.
- Handbücher und Arbeitshilfen: Leitfäden und Vorlagen für die praktische Arbeit.
- Netzwerk: bundesweite und regionale CTC-Treffen für den Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen.
Übergeordnet steht das Bündnis für Communities That Care in Deutschland als nationale Transferstelle: Es sichert die Qualität und entwickelt den Ansatz weiter. Ziel all dieser Unterstützung ist, die kommunalen Akteure in die Lage zu versetzen, den Prozess selbst zu gestalten und dauerhaft zu verankern.
Welche rechtlichen Verpflichtungen entstehen, wenn wir CTC einführen?
CTC ist kein lizenzpflichtiges System: Es gibt keine Lizenzgebühr und keinen Nutzungsvertrag, den eine Kommune unterzeichnen müsste, um mit dem Ansatz zu arbeiten. Rechtliche Bindungen entstehen erst mit der Unterzeichnung eines Begleitungsvertrags – nicht früher und nicht automatisch.
Zwei Dinge sind gebunden. Der Fragebogen der ist ein wissenschaftlich entwickeltes, geschütztes Instrument und wird nicht veröffentlicht; er wird im Rahmen der Begleitung bereitgestellt. Und die Qualifizierung läuft über zertifizierte Trainer, damit die Methodik verlässlich angewendet wird.
Die übrigen Materialien stehen im CTC-Erscheinungsbild bereit, lassen sich aber ohne Einschränkung in das kommunale Erscheinungsbild überführen. Für die Akzeptanz vor Ort ist das oft sogar günstig.
Wird die Einführung über gefördert, entstehen die Pflichten aus dem Zuwendungsbescheid:
- Ein jährlicher Sachstandsbericht ist Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel im Folgejahr.
- Der Verwendungsnachweis mit Belegliste folgt nach Ende des Bewilligungszeitraums.
- Die Zweckbindung der Mittel richtet sich nach dem genehmigten Antrag; wesentliche Umwidmungen sind mit der fördernden Stelle abzustimmen.
- Bei Beauftragungen gilt das Vergaberecht nach den Schwellenwerten des jeweiligen Landes.
- In allen Veröffentlichungen ist ein Fördervermerk zu führen.
- Projektbezogene Unterlagen unterliegen einer Aufbewahrungspflicht, in der Regel sechs Jahre nach Ende der Förderung.
- Nachweise zum Datenschutz sind Nebenbestimmung des Bescheids.
Diese Pflichten kommen aus dem Förderrecht, nicht aus CTC. Sie entstehen bei jedem über § 20a SGB V geförderten Vorhaben gleichermaßen.
Braucht es eine externe wissenschaftliche Begleitung?
Methodisch nicht. Die Auswertung der ist standardisiert und läuft automatisiert; externe Statistik ist dafür nicht erforderlich.
Sinnvoll kann eine wissenschaftliche Begleitung dennoch sein, etwa um die Ergebnisse gegenüber Politik und Verwaltung zusätzlich abzusichern und den Prozess für Veröffentlichungen zu dokumentieren. Wer sie will, sollte früh entscheiden, weil sie in den Förderantrag eingeplant werden muss.
Wem gehören die Daten aus der Befragung, und was darf die Kommune damit tun?
Das Datenschutzrecht kennt keinen Eigentumsbegriff für Daten. Maßgeblich ist, wer über Zweck und Mittel der Verarbeitung entscheidet: Das ist die Kommune als Verantwortliche im Sinne der DSGVO, die erhebende Stelle ist Auftragsverarbeiterin.
In der Praxis löst sich die Frage über die Anonymisierung. Die Befragung ist von Anfang an so angelegt, dass keine personenbeziehbaren Rohdaten entstehen. Was bleibt, sind anonymisierte Aggregatdaten.
- Der Kommunalbericht und die Schulberichte gehen vollständig an die Kommune. Sie dürfen frei verwendet werden, für die Jugendhilfeplanung, politische Berichte und die Öffentlichkeitsarbeit.
- Zugang zu den anonymisierten Rohdaten ist möglich, wenn er im Genehmigungsantrag zur Befragung beschrieben und genehmigt ist. Dieser Bedarf muss früh angemeldet werden.
- Für die Berechnung von Referenzwerten auf Landes- und Bundesebene werden die anonymisierten Daten zusätzlich genutzt, wovon alle CTC-Kommunen profitieren. Das ist im Genehmigungsantrag transparent dokumentiert.
Die Speicherfristen werden ebenfalls im Genehmigungsantrag festgelegt. Üblich ist die Speicherung für die Dauer der Projektlaufzeit mit anschließender Löschung.
Soziale Entwicklungsstrategie
Ist die Soziale Entwicklungsstrategie ein eigenes Präventionsprogramm?
Nein. Die Strategie ist eine Haltung mit einem einfachen Handlungsmuster, das Erwachsene in ihre bestehende Arbeit einbauen: Kinder beteiligen, sie befähigen und ihren Einsatz anerkennen. Sie hat kein festes Programmhandbuch, keine vorgegebene Zahl von Sitzungen und keine eigene Zielgruppe. Deshalb steht sie auch nicht in der .
Im CTC-Prozess ergänzt sie die Programme, die ein Gebiet für seine vorrangigen auswählt. Die Programme setzen gezielt an, die Strategie sorgt dafür, dass der Alltag in Kita, Schule, Verein und Nachbarschaft in dieselbe Richtung wirkt. Im Aktionsplan stehen beide nebeneinander.
Für welches Alter eignet sich die Soziale Entwicklungsstrategie?
Für jedes Alter. Die drei Zutaten gelten für das Kindergartenkind, das beim Tischdecken hilft, genauso wie für die Jugendliche, die im Verein ein Training für Jüngere anleitet. Mit dem Alter ändert sich die Form: wie viel Mitsprache ein Kind überblicken kann, welche Fähigkeiten es erst lernen muss und welche Anerkennung es als ernst gemeint erlebt.
Die Schulungen gibt es deshalb in eigenen Fassungen für Kitas und für Schulen. Die Leiter der Beteiligung hilft einzuschätzen, welche Stufe der Mitwirkung zu einer Altersgruppe passt.
Wer schult die Einrichtungen, und was brauchen sie dafür?
Die Schulungen leiten Fachkräfte, die selbst geschult wurden und eine Ausbildung zur Schulungsleitung durchlaufen haben. Ihre ersten Schulungen führen sie gemeinsam mit einer erfahrenen Person durch. Danach leiten sie regelmäßig Schulungen und nehmen an Fortbildungstreffen teil, damit die Qualität über alle Einrichtungen gleich bleibt.
Eine Einrichtung braucht vor allem eine Kontaktperson mit Rückhalt der Leitung. Mit ihr klärt die Schulungsleitung im Einführungsplan, wer teilnimmt, wie die Arbeit an bestehende Routinen anknüpft und wer sie nachverfolgt. Eine Schulung dauert in der Regel zweieinhalb bis drei Stunden, die Kurzfassung etwa 45 Minuten.
Woran erkennt ein Gebiet, ob die Strategie wirkt?
Kurzfristig an der Umsetzung: Planen die Einrichtungen ihre Aktivitäten mit den drei Zutaten, führen Mitarbeitende das Wochenlogbuch, berichten die Einrichtungen in der Jahresauswertung? Diese Fragen beantwortet das selbst.
Langfristig zeigt es die . Sie erfasst unter anderem, ob Jugendliche in Familie und Schule Gelegenheiten zur Mitwirkung und Anerkennung dafür erleben. Das sind genau die , die die Strategie stärken will. Veränderungen zeigen sich über mehrere Befragungen, nicht nach einem Jahr.
Fragen zur Kinder- und Jugendbefragung
9 Antworten zu Anonymität, Einwilligung, Fragebogen und Umgang mit den Daten – auf der Seite zur Befragung.
Zu den AntwortenIhre Frage ist nicht dabei
Schreiben Sie uns, oder vereinbaren Sie ein Gespräch zur Einführung in Ihrer Kommune.
Sprechen Sie uns anBeweiskraft
Wie sicher eine Aussage über die Wirkung ist – nicht, wie groß die Wirkung ausfällt. Das GRADE-System fasst darunter das Vertrauen in die Schätzung eines Effekts und stuft es danach ab, wie wahrscheinlich weitere Forschung dieses Vertrauen verändern würde. Die Grüne Liste Prävention beurteilt die Beweiskraft eigenständig neben dem Studiendesign und macht sie von Gruppengrößen, der Zahl der Studien und dem Vorliegen deutschsprachiger Befunde abhängig.
Blueprints for Healthy Youth Development
Evidenzregister des Institute of Behavioral Science an der University of Colorado Boulder, das Präventions- und Förderprogramme nach vier Kriterien prüft: Klarheit der Beschreibung, Qualität der Evaluation, nachgewiesene Wirkung und Verbreitungsreife. Es vergibt drei Stufen – „Promising“ ab einer hochwertigen randomisiert-kontrollierten Studie oder zwei quasi-experimentellen Untersuchungen, „Model“ ab zwei starken Studien mit mindestens zwölf Monaten anhaltender Wirkung und „Model Plus“ zusätzlich bei unabhängiger Replikation. Für den deutschsprachigen Raum ist die Grüne Liste Prävention das Gegenstück.
Bundeskinderschutzgesetz
Gesetz zur Stärkung eines aktiven Kinderschutzes (BKiSchG), in Kraft seit 1. Januar 2012. Stärkt Prävention, Frühe Hilfen und die Vernetzung im Kinderschutz – ein förderlicher Rahmen für kommunale Präventionsansätze wie CTC.
Community Youth Development Study
Randomisierte kontrollierte Studie zur Wirksamkeit von CTC (24 US-Kommunen in sieben Bundesstaaten, 4.407 Jugendliche). Sie belegt anhaltende Reduktionen von Substanzkonsum, antisozialem Verhalten und Gewalt bis ins junge Erwachsenenalter.
CTC-Kinder- und Jugendbefragung
Anonyme Schülerbefragung, mit der eine Kommune in Phase 3 misst, wie verbreitet Risiko- und Schutzfaktoren sowie Problemverhalten unter den Jugendlichen im Gebiet sind. Eine für Deutschland angepasste Fassung ist seit 2008 im Einsatz; an 1.911 Jugendlichen der Klassen 6 bis 11 in Niedersachsen erwiesen sich die 23 Risikofaktorskalen als weitgehend eindimensional und gültig. Wiederholt alle zwei Jahre, zeigt sie, ob sich die vorrangigen Faktoren bewegt haben.
Effektstärke
Maßzahl für die Größe eines Unterschieds, unabhängig vom Umfang der Stichprobe. In der Prävention üblich ist Cohen's d: die Differenz der Mittelwerte, geteilt durch die Streuung. Anders als der p-Wert sagt die Effektstärke etwas über das Ausmaß der Wirkung aus und macht Studien untereinander vergleichbar; die Grüne Liste Prävention verlangt sie deshalb für Studien mit Kontrollgruppe.
Entwicklungsmodell nach Veerman und van Yperen
Vier Stufen statt der Zweiteilung in wirksam und unwirksam: Ein Programm ist zunächst nur beschrieben, dann theoretisch begründet, dann liegen erste Hinweise aus der Praxis vor, zuletzt kausale Belege. Je niedriger die Stufe, desto freier lässt sich der Evaluationsentwurf wählen; für eine kausale Aussage kommen nur Entwürfe in Betracht, die eine solche zulassen. Das Bewertungsschema der Grünen Liste Prävention folgt diesem Modell.
Follow-up
Erneute Messung nach Abschluss eines Programms. Sie zeigt, ob eine Wirkung anhält oder nur während der Maßnahme sichtbar war. Die Standards der Society for Prevention Research verlangen mindestens eine Langzeitmessung in angemessenem Abstand zum Ende der Intervention und halten sechs Monate für das sinnvolle Mindestmaß; die Grüne Liste Prävention setzt denselben Abstand an und erwartet, dass bis dahin mindestens ein positiver Effekt fortbesteht.
Frühe Hilfen
Lokale und regionale Unterstützungssysteme mit aufeinander abgestimmten Angeboten ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren, mit Schwerpunkt auf den null- bis dreijährigen Kindern. Sie verbinden ein Angebot für alle Familien mit gezielter Hilfe bei Belastungen und setzen auf die Zusammenarbeit von Gesundheitswesen, Jugendhilfe und bürgerschaftlichem Engagement. Die Begriffsbestimmung stammt vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen.
Gebietsteam
Operatives Gremium im CTC-Prozess: In ihm sollen die wichtigsten örtlichen Einrichtungen und Fachkräfte – Jugendhilfe, Schule, Gesundheit, Polizei, Zivilgesellschaft – vertreten sein. Es analysiert die lokalen Daten und entscheidet über Prioritäten und Maßnahmen.
Gemeinwesenarbeit
Klassisches Arbeitsprinzip und Fachkonzept der Sozialen Arbeit (englisch: Community Organizing): aktivierend, beteiligungs- und ressourcenorientiert, bereichsübergreifend am Sozialraum ansetzend. Disziplinäre Heimat kommunaler, koalitionsbasierter Präventionsansätze wie CTC.
Art. 1 GG
Menschenwürde: Grundlage der Verfassung und aller Grundrechte. Sie gilt für jeden Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Leistung.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1 Abs. 1 GG)
Art. 2 GG
Freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ (Art. 2 Abs. 1 GG) „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG)
Art. 20a GG
Staatsziel Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere, ausdrücklich auch in Verantwortung für künftige Generationen.
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ (Art. 20a GG)
Art. 3 GG
Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichberechtigung von Frauen und Männern und das Verbot, jemanden wegen bestimmter Merkmale zu benachteiligen.
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (Art. 3 Abs. 1 GG) „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 Abs. 3 GG)
Art. 5 GG
Meinungsfreiheit: das Recht, die eigene Meinung zu äußern und sich frei zu informieren.
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG)
Grüne Liste Prävention
Vom Landespräventionsrat Niedersachsen gepflegtes Online-Register wirksam evaluierter Präventionsprogramme, dokumentiert mit den jeweils adressierten Risiko- und Schutzfaktoren. CTC-Kommunen wählen daraus passende, geprüfte Programme aus.
KMK-Empfehlung Demokratiebildung
Beschluss der Kultusministerkonferenz „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule“ vom 06.03.2009 in der Fassung vom 11.10.2018. Kein Gesetz, aber die gemeinsame Leitlinie der Länder für die Schulen.
„In einer Schule als Ort gelebter Demokratie werden die Würde des jeweils anderen großgeschrieben, Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen und Meinungen geübt, Zivilcourage gestärkt, demokratische Verfahren und Regeln eingehalten und Konflikte gewaltfrei gelöst.“ (Abschnitt 2)
Kohortendesign
Beobachtende Anlage: Eine Gruppe wird über die Zeit verfolgt und danach unterschieden, ob sie das Programm erhalten hat oder nicht; zugeteilt wird nicht. Prospektiv beginnt die Beobachtung in der Gegenwart und läuft in die Zukunft, retrospektiv wird ein bereits abgeschlossener Verlauf ausgewertet. Weil sich die Gruppen von vornherein unterscheiden können, bleibt die Gefahr verdeckter Störgrößen größer als im Zufallsversuch.
Kontrollgruppe
Gruppe, die das Programm nicht erhält und damit zeigt, wie sich die Teilnehmenden ohne das Programm vermutlich entwickelt hätten. Dieser Vergleichsmaßstab lässt sich nie beobachten, sondern nur schätzen; der Effekt ist die Differenz zwischen dem, was geschah, und dem, was ohne die Maßnahme geschehen wäre. Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, ob eine Veränderung auf das Programm oder auf Reifung, Vorerfahrung und zeitgleiche Einflüsse zurückgeht.
Landespräventionsrat Niedersachsen
1995 durch Beschluss der Landesregierung eingerichtetes Netzwerk aus rund 270 Mitgliedern – kommunale Präventionsräte, Verbände, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen; die Geschäftsstelle liegt im Niedersächsischen Justizministerium. Der Rat berät Kommunen und Land in Fragen der Gewalt- und Kriminalprävention, fördert Projekte und entwickelt Instrumente. Er hat 2011 die Grüne Liste Prävention aufgelegt und führt Communities That Care in Deutschland ein.
Lebenslagenansatz
Armuts- und Sozialbegriff, der die Lage eines Menschen nicht am Einkommen allein festmacht, sondern am Zusammenspiel von Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Teilhabe. Der Blick richtet sich auf die Spielräume, die jemand in diesen Bereichen tatsächlich hat. Die Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Bundes ist nach diesem Verständnis aufgebaut.
Manualisierung
Ein Programm ist manualisiert, wenn eine schriftliche Handlungsanleitung festlegt, was wann mit wem geschieht; erst das macht es andernorts wiederholbar und überhaupt überprüfbar. Wie genau die Anleitung eingehalten wird, entscheidet mit über den Erfolg: Eine Auswertung von knapp 500 Studien fand bei sorgfältiger Umsetzung im Mittel mindestens zwei- bis dreimal so große Effekte. Die Grüne Liste Prävention verlangt deshalb verfügbare Manuale, Schulungen und Instrumente zur Qualitätskontrolle.
Meta-Analyse
Statistisches Verfahren, das die Ergebnisse mehrerer Studien zur selben Frage in einer gemeinsamen Schätzung zusammenfasst. Jede Studie geht mit einem Gewicht ein, das ihrer Genauigkeit entspricht, und die Streuung zwischen den Studien wird eigens ausgewiesen. Eine Meta-Analyse ist nur so gut wie die Untersuchungen, die sie bündelt – veröffentlichte Befunde sind systematisch positiver als unveröffentlichte.
Positive Jugendentwicklung
Stärkenorientierter Ansatz (Positive Youth Development), der Kompetenz, Bindung, Selbstwirksamkeit und prosoziale Normen fördert. Aus derselben Forschungstradition wie CTC – Prävention als Förderung gelingender Entwicklung, nicht nur als Problemverhütung.
Prävalenz
Anteil der Personen in einer Bevölkerung, auf die ein Merkmal zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum zutrifft – eine Erkrankung, ein Verhalten oder ein Risikofaktor. Zu unterscheiden ist sie von der Inzidenz, die nur die neu hinzukommenden Fälle in einem Zeitraum zählt. Die CTC-Kinder- und Jugendbefragung liefert Prävalenzen für die Jugendlichen im Gebiet und stellt sie einem Vergleichswert gegenüber.
Universelle, selektive und indizierte Prävention
Einteilung nach der Zielgruppe, nicht nach dem Zeitpunkt. Universelle Angebote richten sich an eine ganze Bevölkerungsgruppe, ohne dass ein individuelles Risiko festgestellt wurde; selektive an Teilgruppen, deren Risiko deutlich über dem Durchschnitt liegt; indizierte an einzelne junge Menschen mit ersten Anzeichen, die noch keine Diagnose rechtfertigen. CTC arbeitet universell und selektiv.
Präventionskette
Kommunale Strategie, die vorhandene Angebote aus Gesundheit, Bildung, Jugendhilfe und Sozialem so verknüpft, dass Kinder und Familien von der Schwangerschaft bis zum Berufseinstieg ohne Bruch begleitet werden. Bekannt wurde der Begriff durch das 2011 von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und der Bertelsmann Stiftung gestartete Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen!“ mit 18 Kommunen. Anders als Communities That Care setzt der Ansatz an den Übergängen im Lebenslauf an, nicht an gemessenen Risiko- und Schutzfaktoren.
Primäre, sekundäre und tertiäre Prävention
Einteilung nach dem Zeitpunkt des Eingreifens. Primäre Prävention setzt an, bevor eine Störung auftritt, und senkt die Zahl neuer Fälle; sekundäre verkürzt die Dauer bereits begonnener Verläufe durch frühes Erkennen und Behandeln; tertiäre mindert die Beeinträchtigungen, die aus einer Störung zurückbleiben. In die Grüne Liste Prävention kommen nur primär- und sekundärpräventive Programme, weil das der Ausrichtung von CTC entspricht.
Quasi-experimentelles Design
Untersuchungsanlage mit Vergleichsgruppe, aber ohne Zufallszuteilung: Wer das Programm erhält, ergibt sich aus der Praxis. Im Feld ist das oft die einzige machbare Variante, verlangt aber zusätzliche Vorkehrungen wie mehrere Messzeitpunkte, statistische Kontrolle oder eine gestufte Einführung, weil sich Programm- und Vergleichsgruppe systematisch unterscheiden können.
Randomisiert-kontrollierte Studie
Untersuchung, in der die Teilnehmenden per Zufall der Programm- oder der Vergleichsbedingung zugelost werden. Weil der Zufall die Gruppen im Mittel vergleichbar macht, lassen sich Unterschiede am Ende eher auf das Programm zurückführen als auf vorbestehende Unterschiede. Die Standards der Society for Prevention Research verlangen für einen Wirksamkeitsnachweis mindestens zwei methodisch strenge Studien mit übereinstimmend positiven Befunden und mindestens einer signifikanten Langzeitmessung.
Risikofaktoren
Empirisch belegte Bedingungen in Individuum, Familie, Schule und Gemeinwesen, die die Wahrscheinlichkeit späteren Problemverhaltens erhöhen. CTC senkt gezielt jene Risikofaktoren, die in einem Sozialraum erhöht sind – mit erprobten Programmen.
Salutogenese
Von Aaron Antonovsky geprägtes Konzept, das nach den Entstehungsbedingungen von Gesundheit fragt (statt nur nach Krankheitsursachen). Präventionsansätze wie CTC zielen im salutogenen Sinn auf die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.
Schlüsselpersonen
Die Führungsebene, die einen CTC-Prozess mandatiert und finanziert: Bürgermeisterin oder Landrat, die Leitungen von Schulverwaltung, Jugendamt, Polizei und Gesundheitswesen sowie die Personen, die über Haushaltsmittel entscheiden. Sie sagen zu Beginn öffentlich zu, berufen das Gebietsteam, nehmen Gebietsprofil und Aktionsplan entgegen und billigen die Prioritäten. Von ihnen zu unterscheiden ist das Gebietsteam, das die Daten auswertet und den Plan schreibt.
Schutzfaktoren
Merkmale in Individuum, Familie, Schule und Gemeinwesen, die eine gesunde Entwicklung begünstigen und die Wirkung von Risikofaktoren abpuffern. CTC erhebt und stärkt sie gezielt – nicht nur die Senkung von Risikofaktoren.
§ 20a SGB V
Rechtsgrundlage der gesetzlichen Krankenkassen für Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (Kita, Schule, Kommune, Pflege) – u. a. für den Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen. Eingeführt durch das Präventionsgesetz 2015.
„… mit Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten insbesondere den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen." (§ 20a Abs. 1 SGB V)
SGB VIII
Achtes Buch Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe. Regelt Leistungen und Aufgaben der Jugendhilfe; § 1 verankert einen fördernden, präventiven Auftrag. CTC ist an diese Strukturen anschlussfähig.
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ (§ 1 Abs. 1 SGB VIII)
§ 22 SGB VIII
Förderungsauftrag von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege: Erziehung, Bildung und Betreuung, ausdrücklich einschließlich der Vermittlung von Werten und Regeln.
„Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Er schließt die Vermittlung orientierender Werte und Regeln ein.“ (§ 22 Abs. 3 SGB VIII)
§ 8 SGB VIII
Beteiligungsrecht der Kinder- und Jugendhilfe: Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Maßstab für die unmittelbare Partizipation junger Menschen – auch in kommunalen Präventionssystemen wie CTC.
„Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen." (§ 8 Abs. 1 SGB VIII)
Statistische Signifikanz
Ein Befund heißt signifikant, wenn die Daten unter der Annahme, dass es keinen Unterschied gibt, hinreichend unwahrscheinlich wären; üblich ist eine Schwelle von fünf Prozent. Die American Statistical Association hält dazu fest, dass ein p-Wert weder die Größe eines Effekts noch die Bedeutung eines Ergebnisses misst und dass wissenschaftliche wie politische Schlüsse nicht allein davon abhängen sollten, ob er eine Schwelle unterschreitet.
Soziale Entwicklungsstrategie
Die Anwendung des Modells der Sozialen Entwicklung im Alltag: Erwachsene stärken die Bindung von Kindern, indem sie ihnen Gelegenheiten zur Beteiligung geben, die Fähigkeiten vermitteln, diese Gelegenheiten zu nutzen, und ihren Einsatz konkret anerkennen. Aus der Bindung wächst die Bereitschaft, die Normen der Gruppe zu übernehmen. In CTC-Gebieten ist sie Entwicklungsförderung für alle Kinder und ergänzt die Programme für die vorrangigen Risikofaktoren.
Sozialraum
Der lebensweltliche, räumliche Kontext (Quartier, Nachbarschaft, Kommune), in dem Menschen aufwachsen. CTC arbeitet sozialraumbezogen: Es analysiert Belastungen und Ressourcen eines Gebiets und setzt dort an – ohne einzelne Kinder zu etikettieren.
Theory of Change
Ausformulierte Annahme darüber, wie ein Programm wirkt: welche Schritte von der Maßnahme über Zwischenergebnisse zum angestrebten Ziel führen und welche Bedingungen dabei erfüllt sein müssen. Sie entsteht vor der Umsetzung gemeinsam mit den Beteiligten und legt fest, was später gemessen wird. In der Grünen Liste Prävention zählt eine Theory-of-Change-Studie als Evaluationsniveau von einem Stern: Sie prüft die angenommene Wirkkette, nicht die Wirkung gegen eine Kontrollgruppe.
Übertragbarkeit
Die Frage, ob ein anderswo entwickeltes Programm auch hier wirkt. Zwischen Programmtreue und Passung besteht eine Spannung: Eine starre Übernahme geht an der Zielgruppe vorbei, eine freie Anpassung kann gerade die wirksamen Bestandteile entfernen; beides lässt sich nur planvoll und dokumentiert austarieren. Die Grüne Liste Prävention stuft die Übertragbarkeit nach der Zahl deutschsprachiger Studien in vier Grade von gegeben bis unklar ein.
Art. 12 UN-KRK
Berücksichtigung des Kindeswillens: Kinder haben das Recht, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen, gehört zu werden.
„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“ (Art. 12 Abs. 1 UN-KRK)
Art. 2 UN-KRK
Diskriminierungsverbot der UN-Kinderrechtskonvention, in Deutschland seit 1992 geltendes Recht.
„Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds.“ (Art. 2 Abs. 1 UN-KRK)
Art. 29 UN-KRK
Bildungsziele der UN-Kinderrechtskonvention: Achtung der Menschenrechte, Frieden, Toleranz, Gleichberechtigung und Achtung vor der Umwelt.
„Die Vertragsstaaten stimmen darin überein, dass die Bildung des Kindes darauf gerichtet sein muss, […] b) dem Kind Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten und den in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Grundsätzen zu vermitteln; […] d) das Kind auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft im Geist der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Freundschaft zwischen allen Völkern und ethnischen, nationalen und religiösen Gruppen sowie zu Ureinwohnern vorzubereiten; e) dem Kind Achtung vor der natürlichen Umwelt zu vermitteln.“ (Art. 29 Abs. 1 UN-KRK)