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20 Fragen · 5 Themenfelder

Häufig gestellte Fragen.

Von der ersten Grundsatzfrage bis zur Auswahl eines Pilotgebiets – gesammelte Antworten für Kommunen, die Communities That Care prüfen oder einführen.

Was CTC ist

Was genau ist Communities That Care (CTC) und was will es erreichen?

Communities That Care (CTC) ist ein international anerkannter und wissenschaftlich fundierter Ansatz zur kommunalen Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche. Es ist keine einzelne Maßnahme, sondern ein strategisches System: Es hilft Kommunen, Problemverhalten wie Substanzkonsum, Gewalt, Delinquenz und Schulabbrüche wirksam vorzubeugen und ein gesundes Aufwachsen zu fördern. Entwickelt wurde CTC an der School of Social Work der University of Washington. Der Ansatz stammt aus der Sozialen Arbeit und steht in der Tradition der .

Das Hauptziel ist, Kommunen handlungsfähig zu machen. Sie planen ihre Präventionsarbeit auf Basis lokaler Daten, vor allem aus dem CTC-Jugendsurvey, wählen mithilfe der „Grünen Liste Prävention“ passende evidenzbasierte Programme aus und setzen diese qualitätsgesichert um. Dabei stärkt CTC die Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg, zwischen Verwaltung, Schulen, Jugendhilfe, Polizei, Gesundheitswesen und Vereinen, und bezieht die Menschen im ausdrücklich ein.

Ist die Wirksamkeit von CTC wissenschaftlich belegt?

Ja, international ist sie gut belegt. Die wichtigste Studie ist die (CYDS) aus den USA, eine randomisierte kontrollierte Studie mit über 4.400 Jugendlichen, die über viele Jahre begleitet wurden. Sie zeigt:

  • Jugendliche in CTC-Kommunen wiesen geringere Raten bei Substanzkonsum, Gewalt und Delinquenz auf.
  • Diese Wirkungen hielten bis ins junge Erwachsenenalter an, mindestens bis zum Alter von 21 bis 23 Jahren.
  • Auch der Wirkmechanismus bestätigte sich: Die kommunale Zusammenarbeit verbesserte sich, und wissenschaftsbasierte Präventionsansätze wurden häufiger übernommen.
  • Jeder investierte Dollar brachte durch vermiedene Folgekosten ein Vielfaches an gesellschaftlichem Nutzen.

Für Deutschland ist die Befundlage vorläufiger. In der CTC-EFF-Studie hat sich die Zahl der umgesetzten evidenzbasierten Programme in CTC-Kommunen mehr als verdoppelt, und Kommunen mit höherer Präventionskapazität weisen einen geringeren Substanzkonsum bei Jugendlichen auf. Letzteres ist bislang als Zusammenhang belegt – nicht als kausale Wirkung. Auf der Ebene des kommunalen Präventionssystems blieben signifikante Effekte bis 2023 aus; die Erhebung fiel ganz in die Pandemiejahre, und den Kommunen fehlte eine finanzierte Koordinierungsstelle. Die Autoren betonen, das sei kein Beleg gegen die Wirksamkeit von CTC, und empfehlen eine längere Beobachtung. Der Nachweis von Verhaltenseffekten in Deutschland ist Gegenstand laufender Forschung.

Wie verbindet CTC Risiken und Stärken junger Menschen?

CTC ist ein Modell aus Risiko- und ; beide werden erhoben und bearbeitet. Der Jugendsurvey erfasst Belastungen ebenso wie Stärken und Ressourcen im Umfeld, und der Aktionsplan zielt gezielt darauf, Schutzfaktoren auszubauen: Bindung, Beteiligungschancen, Kompetenzen und Anerkennung. Genau das ist Ressourcenförderung.

Zwei Prinzipien prägen das Vorgehen. Angesetzt wird am Sozialraum, nicht am Einzelfall: Die Jugendbefragung ist anonym und wird nur aggregiert ausgewertet, einzelne „Risikokinder“ werden weder ausgemacht noch etikettiert. Und es geht um Förderung, nicht allein um Vermeidung. Das zugrunde liegende und die setzen auf gelingendes Aufwachsen und den Aufbau von Stärken.

Der gelegentliche Eindruck, CTC sei „nur“ defizitorientiert, greift daher zu kurz: Risiken zu kennen und Stärken zu fördern gehören zusammen. Ausführlich dazu: Communities That Care: aus der Sozialen Arbeit – und mit Wirksamkeitsnachweis.

Einführung und Ablauf

Wie läuft der CTC-Prozess in unserer Kommune ab und wie aufwändig ist das?

CTC folgt einem strukturierten 5-Phasen-Prozess. Von der Vorbereitung bis zum verabschiedeten Aktionsplan dauert der erste Durchlauf in der Regel etwa 1,5 bis 2 Jahre; die Umsetzung schließt sich daran an, und danach wird der Zyklus wiederholt:

  1. Vorbereiten: gewinnen, Rahmenbedingungen klären.
  2. Organisieren und Rückhalt schaffen: Eine lokale Koalition gründen, also eine strategische Lenkungsgruppe und ein operatives ; das Modell sieht darin neben Fachkräften ausdrücklich auch Eltern, Anwohner und Jugendliche vor. Dazu die CTC-Koordination benennen und die durchführen.
  3. Gebietsprofil erstellen: Lokale Daten aus Survey und Statistik analysieren, identifizieren und priorisieren, bestehende Angebote erfassen.
  4. Aktionsplan erstellen: Messbare Ziele definieren, evidenzbasierte Programme auswählen, die Umsetzung planen.
  5. Aktionsplan umsetzen und evaluieren: Maßnahmen durchführen, die Umsetzung beobachten und den Plan anpassen. Die Folgebefragung, mit der sich Veränderungen messen lassen, liegt einige Jahre später – siehe Welche Ziele sind nach 3, 5 und 10 Jahren realistisch?

Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Die Kommune muss politisch hinter dem Ansatz stehen und ihn per Beschluss absichern, und Schlüsselpersonen aus verschiedenen Bereichen müssen aktiv mitarbeiten. Nötig sind außerdem die Offenheit, den Befragungsergebnissen zu folgen und danach zu entscheiden, sowie Mittel für die Programme, die am Ende umgesetzt werden sollen.

Die wichtigste Voraussetzung ist eine dedizierte Koordination: Eine Person oder Stelle muss den Prozess steuern. Die Handlungsempfehlungen der Medizinischen Hochschule Hannover nennen einen halben Stellenanteil (0,5 VZÄ) als Untergrenze. In größeren Städten mit mehreren Ämtern und Dezernaten reicht das erfahrungsgemäß nicht; dort hat sich eine volle Stelle bewährt. Eine zu knapp ausgestattete Koordination ist der häufigste Grund dafür, dass ein Prozess ins Stocken gerät – was dagegen hilft.

Welche Ziele sind nach 3, 5 und 10 Jahren realistisch?

Für einen sozialraumbezogenen Einstieg gilt dieser Zeithorizont als realistisch:

  • Nach 3 Jahren: Steuerungsstruktur aufgebaut, Erstbefragung durchgeführt und ausgewertet, Gebietsprofil mit priorisierten vorgelegt, Aktionsplan verabschiedet, erste Maßnahmen begonnen.
  • Nach 5 Jahren: Folgebefragung durchgeführt, Veränderungen in den priorisierten Risiko- und Schutzfaktoren werden messbar, Aktionsplan entsprechend angepasst, Koordination institutionell verankert.
  • Nach 10 Jahren: Zweiter vollständiger Zyklus abgeschlossen, Aussagen über längere Zeitreihen möglich, CTC fester Bestandteil der kommunalen Präventionsplanung.

Ein vollständiger Zyklus einschließlich Folgebefragung braucht mindestens fünf Jahre. Kürzere Förderzeiträume erlauben den Einstieg in den Prozess, liefern aber keine Vergleichsdaten.

Messbar werden in diesem Zeitraum Veränderungen in den Risiko- und Schutzfaktoren. Der Nachweis von Verhaltenseffekten in Deutschland ist Gegenstand laufender Forschung; mehr dazu unter Ist die Wirksamkeit von CTC wissenschaftlich belegt?

Rechtfertigt der Aufwand der Kinder- und Jugendbefragung den Nutzen?

Kommunale Verwaltungsdaten aus Jugendhilfe, Polizei und Schule sind Spätindikatoren: Sie messen, was bereits eingetreten ist, also Straftaten, Hilfen zur Erziehung, Schulabbrüche. Wertvoll sind sie – aber reaktiv.

Die Kinder- und Jugendbefragung misst etwas anderes, nämlich : die Bedingungen, die künftiges Problemverhalten wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Sie ist damit ein Frühindikator. Vier Dinge liefern Verwaltungsdaten strukturell nicht:

  • Die Sicht der Jugendlichen selbst. Verwaltungsdaten geben die Sicht der Institutionen wieder, und die Perspektive der Jugendlichen weicht davon systematisch ab.
  • Eine Auflösung nach . Kommunale Daten liegen meist auf Stadtebene vor, die Befragung liefert Risikolagebilder für einzelne Stadtteile.
  • Die gleichzeitige Erfassung aller Lebensbereiche. Familie, Schule, Freundeskreis und Gemeinwesen werden zusammen erhoben; in keinem kommunalen Datensystem laufen diese Daten zusammen.
  • Vergleichbarkeit über Zeit. Weil das Instrument standardisiert ist, lässt sich die Folgebefragung direkt mit der Erstbefragung vergleichen.

Hinzu kommt ein rechtlicher Gesichtspunkt. Die Jugendhilfeplanung nach § 80 verlangt, den Bedarf „unter Berücksichtigung der Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Erziehungsberechtigten“ zu ermitteln. Die Befragung ist das Instrument, das genau diese Perspektive systematisch erhebt; wie CTC den Planungsauftrag des Gesetzes einlöst, steht in CTC als Verwirklichungsinstrument des Kinder- und Jugendhilfegesetzes.

Ergänzende kommunale Daten sind methodisch nicht zwingend, um ein Gebietsprofil zu erstellen, strategisch aber wichtig: Sie stellen die Befragungsergebnisse in einen behördlich anerkannten Zusammenhang und machen sie in Gremien vermittelbar.

Sollten wir CTC stadtweit einführen oder mit einem Pilotgebiet beginnen?

Ein fokussierter Einstieg in einem oder zwei Sozialräumen ist der Regelfall. Gegen einen flächendeckenden Start sprechen drei Dinge: Die Koordinationskapazität einer Kommune reicht dafür selten aus, ein Gebietsprofil auf Ebene der Gesamtstadt ist für gezielte Maßnahmenplanung zu grob, und ein Pilot liefert früher verwertbare Ergebnisse, mit denen sich eine Ausweitung begründen lässt.

Bei der Gebietsauswahl zählt nicht allein der Sozialindex. Günstig sind bestehende Kooperationsstrukturen vor Ort, ein von den Akteuren selbst als drängend wahrgenommenes Problem aus einem der CTC-Schwerpunkte, Offenheit der für eine datenbasierte Methodik, ein lebensweltlich zusammenhängendes Quartier, eine Überschneidung von Wohngebiet und Schuleinzugsbereich sowie die Möglichkeit, an einen laufenden Planungsprozess anzuknüpfen.

Zwiespältig ist hoher akuter Handlungsdruck. Er mobilisiert die Beteiligten, aber Gebiete im Dauerkrisenmodus haben keine Kapazität für einen Planungsprozess; günstig ist sichtbarer Bedarf ohne überwältigende Notlage.

Gegen ein Gebiet spricht, wenn dort ein anderes großes Vorhaben schon Priorität hat, etwa ein Förderprogramm, ein Stadtentwicklungsvorhaben oder eine konkurrierende Präventionsinitiative. Akteursmüdigkeit und Konkurrenz um knappe Mittel sind dann vorprogrammiert.

Welche Rücklaufquoten sind realistisch, und was bedeutet eine geringe Beteiligung?

Bei guter schulischer Organisation und aktiver Unterstützung durch Schulleitungen und kommunales Begleitpersonal liegen die Rücklaufquoten erfahrungsgemäß bei 60 bis 80 Prozent. Entscheidend sind die frühe Einbindung der Schulen und eine klare Aussage über den Nutzen für die Schule selbst.

Nehmen Schulen systematisch nicht teil – gerade solche in belasteten Lagen –, gibt das Gebietsprofil das Bild der beteiligten Schulen wieder, nicht das des Sozialraums. Je niedriger die Beteiligung, desto vorsichtiger sind die Schlussfolgerungen zu formulieren; unterhalb von etwa der Hälfte ist die Aussagekraft deutlich eingeschränkt. Das wird im Bericht offen ausgewiesen.

Steuerung und Gremien

Wie ist eine CTC-Lenkungsgruppe zusammengesetzt, und was entscheidet sie?

Eine funktionierende Lenkungsgruppe ist multisektoral und auf Entscheidungsebene besetzt, in Großstädten typischerweise mit 10 bis 15 Personen, in kleineren Kommunen entsprechend weniger:

  • Verwaltung: Jugendamt, Gesundheitsamt und Schulamt, jeweils auf Leitungsebene
  • Schulen: eine Vertretung der Schulleitungen aus dem Gebiet
  • Polizei: kommunale Prävention oder Jugendsachbearbeitung
  • Freie Träger: Jugendhilfe, Sozialarbeit, gegebenenfalls Suchtprävention
  • Zivilgesellschaft: Wohlfahrtsverbände, Elternvertretung, Migrantenorganisationen

Als Gremium hat die Lenkungsgruppe keine formellen Weisungsbefugnisse. Ihre Steuerungswirkung entsteht daraus, dass ihre Mitglieder aus Institutionen kommen, die in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich selbst entscheiden können; Beschlüsse werden von den Mitgliedern in ihre Institutionen hineingetragen und dort umgesetzt.

Zu ihren Aufgaben gehören die Priorisierung der , die Verabschiedung des Aktionsplans und Entscheidungen über die Ressourcenverwendung, nicht aber operative Einzelfallentscheidungen. In der Aufbau- und Profilphase tagt sie erfahrungsgemäß vier- bis sechsmal im Jahr, in der Umsetzungsphase zwei- bis viermal.

Neue Parallelstrukturen entstehen dabei nicht. Wo funktionierende kommunale Präventionsgremien bestehen, wird CTC in diese integriert, statt neue Gremien zu gründen. CTC hat keine eigenen Programme und keine eigene Infrastruktur; es ist ein Planungs- und Steuerungsrahmen, der bestehende Strukturen mit einer systematischen Methodik ausstattet.

Was braucht es, damit CTC in einer Kommune gelingt?

Die Medizinische Hochschule Hannover hat im Rahmen der CTC-EFF-Studie acht Faktoren benannt, die über die Umsetzungsqualität entscheiden:

  • Ausreichende Ressourcen für die CTC-Koordination
  • Wirksame Kommunikation im
  • Systematische Einarbeitung neuer Teammitglieder
  • Bedarfsgerechte Unterstützung durch die CTC-Transferstellen
  • Haltung und Motivation der Beteiligten
  • Fundiertes CTC-spezifisches Präventionswissen
  • Wirksame Öffentlichkeitsarbeit
  • Breite Beteiligung am lokalen Prozess

Ausführlich, mit einer Priorisierung nach Prozessphase und einem Selbstcheck für Kommunen: Die 8 Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche CTC-Implementation.

Was bringt einen CTC-Prozess ins Stocken, und was hilft?

Was hilft, lässt sich aus den Erfahrungen im deutschen CTC-Netzwerk recht klar benennen. An erster Stelle steht politische Rückendeckung auf Leitungsebene: Ohne aktive Unterstützung scheitert CTC an Verwaltungsrealitäten, nicht an der Methodik. Ähnlich wichtig ist eine ausreichend ausgestattete Koordination. Günstig ist außerdem eine bestehende Präventionsstruktur, in die CTC hineinwachsen kann, statt sie erst aufzubauen.

Drei weitere Punkte entscheiden sich im Zuschnitt des Prozesses. Erwartungen sollten geklärt sein, denn CTC löst keine akuten Ordnungsprobleme, sondern verbessert systematisch die Steuerung von Prävention. Der Einstieg sollte über ein Pilotgebiet laufen statt flächendeckend. Und die Ergebnisse sollten schnell zurückkommen, drei bis vier Monate nach der Befragung.

Was bremst, ist vor allem eine zu knapp ausgestattete Koordination. Sie ist der häufigste einzelne Grund: Ohne ausreichende personelle Ressource geht der Prozess in der Alltagslast unter. Ebenso häufig fehlt die Anschlussfinanzierung. Wird CTC als Projekt geführt, endet es mit der Förderung; die Koordinationsstelle in die Haushaltsplanung aufzunehmen, ist deshalb die wichtigste einzelne Weichenstellung.

Weiter blockieren Zuständigkeitskonflikte zwischen Ressorts, weil CTC dezernatsübergreifende Zusammenarbeit erfordert. Ein Aktionsplan ohne Mittel für die Umsetzung erzeugt Frustration bei allen Beteiligten. Und lange Wartezeiten zwischen Befragung und Ergebnis beschädigen die Akzeptanz, gerade bei ohnehin skeptischen Beteiligten.

Der kritische Moment ist der Übergang von der Erhebung zur sichtbaren Maßnahme. Eine erste konkrete Maßnahme innerhalb von sechs bis zwölf Monaten hält die Beteiligung aufrecht, auch wenn der vollständige Aktionsplan noch in Arbeit ist.

Recht, Kosten und Unterstützung

Welche Kosten entstehen durch CTC und wie kann die Finanzierung aussehen?

Die Kosten setzen sich aus vier Komponenten zusammen:

  • Externe Prozessbegleitung: erfahrene CTC-Trainer, die die Koalition schulen, den Prozess moderieren und beraten. Diese Kosten werden meist auf Stundenbasis kalkuliert und richten sich nach dem Begleitungsbedarf über die fünf Phasen. Erforderlich ist die Begleitung nur zur Einführung.
  • CTC-Jugendsurvey: Durchführung und Auswertung der standardisierten .
  • Interne Ressourcen: Personalkosten für die lokale CTC-Koordination, mindestens 0,5 VZÄ und in größeren Städten eine volle Stelle, dazu die Arbeitszeit der Beteiligten in der Koalition.
  • Maßnahmenumsetzung: Einführung und Durchführung der ausgewählten evidenzbasierten Präventionsprogramme.

Finanziert wird das in der Regel aus mehreren Quellen. Neben kommunalen Haushaltsmitteln ist die Förderung nach häufig genutzt, oft für die Prozessbegleitung oder für einzelne Maßnahmen in Lebenswelten; ein Eigenanteil der Kommune ist dabei üblich. Die FINDER Akademie unterstützt Kommunen bei der Antragstellung. Hinzu kommen können Mittel der Jugendhilfe, schulische Budgets, Stiftungen, Landesprogramme und EU-Mittel. Auch das Bündeln von Personal- oder Sachressourcen zwischen den beteiligten Organisationen entlastet das Budget.

Ein Gesichtspunkt, der in der Haushaltsberatung oft untergeht: Das Gebietsprofil beantwortet zugleich die Frage, zu deren Klärung die Jugendhilfeplanung nach § 80 verpflichtet. Die Erhebung dient damit zwei Planungsprozessen; ausführlich dazu CTC als Verwirklichungsinstrument des Kinder- und Jugendhilfegesetzes.

Welche Unterstützung erhalten wir bei der Einführung und Umsetzung von CTC?

Kommunen, die sich für CTC entscheiden, werden nicht alleingelassen. Zertifizierte Trainer und Berater begleiten den gesamten Prozess, in Niedersachsen etwa der dortige , bundesweit die FINDER Akademie. Für jede der fünf Phasen gibt es eigene Schulungsmodule, die das nötige Wissen und die Methoden vermitteln, und die Begleitung umfasst auch die Organisation und Moderation von Koalitionstreffen, Arbeitssitzungen und Planungsprozessen.

Dazu kommen die Instrumente:

  • CTC-Jugendsurvey: der standardisierte Fragebogen für die Datenerhebung.
  • Auswertungshilfe: Unterstützung bei der Interpretation der Ergebnisse und beim Erstellen des Gebietsprofils.
  • Grüne Liste Prävention: das Online-Register für die Auswahl geprüfter, evidenzbasierter Programme.
  • Handbücher und Arbeitshilfen: Leitfäden und Vorlagen für die praktische Arbeit.
  • Netzwerk: bundesweite und regionale CTC-Treffen für den Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen.

Übergeordnet steht das Bündnis für Communities That Care in Deutschland als nationale Transferstelle: Es sichert die Qualität und entwickelt den Ansatz weiter. Ziel all dieser Unterstützung ist, die kommunalen Akteure in die Lage zu versetzen, den Prozess selbst zu gestalten und dauerhaft zu verankern.

Welche rechtlichen Verpflichtungen entstehen, wenn wir CTC einführen?

CTC ist kein lizenzpflichtiges System: Es gibt keine Lizenzgebühr und keinen Nutzungsvertrag, den eine Kommune unterzeichnen müsste, um mit dem Ansatz zu arbeiten. Rechtliche Bindungen entstehen erst mit der Unterzeichnung eines Begleitungsvertrags – nicht früher und nicht automatisch.

Zwei Dinge sind gebunden. Der Fragebogen der ist ein wissenschaftlich entwickeltes, geschütztes Instrument und wird nicht veröffentlicht; er wird im Rahmen der Begleitung bereitgestellt. Und die Qualifizierung läuft über zertifizierte Trainer, damit die Methodik verlässlich angewendet wird.

Die übrigen Materialien stehen im CTC-Erscheinungsbild bereit, lassen sich aber ohne Einschränkung in das kommunale Erscheinungsbild überführen. Für die Akzeptanz vor Ort ist das oft sogar günstig.

Wird die Einführung über gefördert, entstehen die Pflichten aus dem Zuwendungsbescheid:

  • Ein jährlicher Sachstandsbericht ist Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel im Folgejahr.
  • Der Verwendungsnachweis mit Belegliste folgt nach Ende des Bewilligungszeitraums.
  • Die Zweckbindung der Mittel richtet sich nach dem genehmigten Antrag; wesentliche Umwidmungen sind mit der fördernden Stelle abzustimmen.
  • Bei Beauftragungen gilt das Vergaberecht nach den Schwellenwerten des jeweiligen Landes.
  • In allen Veröffentlichungen ist ein Fördervermerk zu führen.
  • Projektbezogene Unterlagen unterliegen einer Aufbewahrungspflicht, in der Regel sechs Jahre nach Ende der Förderung.
  • Nachweise zum Datenschutz sind Nebenbestimmung des Bescheids.

Diese Pflichten kommen aus dem Förderrecht, nicht aus CTC. Sie entstehen bei jedem über § 20a SGB V geförderten Vorhaben gleichermaßen.

Braucht es eine externe wissenschaftliche Begleitung?

Methodisch nicht. Die Auswertung der ist standardisiert und läuft automatisiert; externe Statistik ist dafür nicht erforderlich.

Sinnvoll kann eine wissenschaftliche Begleitung dennoch sein, etwa um die Ergebnisse gegenüber Politik und Verwaltung zusätzlich abzusichern und den Prozess für Veröffentlichungen zu dokumentieren. Wer sie will, sollte früh entscheiden, weil sie in den Förderantrag eingeplant werden muss.

Wem gehören die Daten aus der Befragung, und was darf die Kommune damit tun?

Das Datenschutzrecht kennt keinen Eigentumsbegriff für Daten. Maßgeblich ist, wer über Zweck und Mittel der Verarbeitung entscheidet: Das ist die Kommune als Verantwortliche im Sinne der DSGVO, die erhebende Stelle ist Auftragsverarbeiterin.

In der Praxis löst sich die Frage über die Anonymisierung. Die Befragung ist von Anfang an so angelegt, dass keine personenbeziehbaren Rohdaten entstehen. Was bleibt, sind anonymisierte Aggregatdaten.

  • Der Kommunalbericht und die Schulberichte gehen vollständig an die Kommune. Sie dürfen frei verwendet werden, für die Jugendhilfeplanung, politische Berichte und die Öffentlichkeitsarbeit.
  • Zugang zu den anonymisierten Rohdaten ist möglich, wenn er im Genehmigungsantrag zur Befragung beschrieben und genehmigt ist. Dieser Bedarf muss früh angemeldet werden.
  • Für die Berechnung von Referenzwerten auf Landes- und Bundesebene werden die anonymisierten Daten zusätzlich genutzt, wovon alle CTC-Kommunen profitieren. Das ist im Genehmigungsantrag transparent dokumentiert.

Die Speicherfristen werden ebenfalls im Genehmigungsantrag festgelegt. Üblich ist die Speicherung für die Dauer der Projektlaufzeit mit anschließender Löschung.

Soziale Entwicklungsstrategie

Ist die Soziale Entwicklungsstrategie ein eigenes Präventionsprogramm?

Nein. Die Strategie ist eine Haltung mit einem einfachen Handlungsmuster, das Erwachsene in ihre bestehende Arbeit einbauen: Kinder beteiligen, sie befähigen und ihren Einsatz anerkennen. Sie hat kein festes Programmhandbuch, keine vorgegebene Zahl von Sitzungen und keine eigene Zielgruppe. Deshalb steht sie auch nicht in der .

Im CTC-Prozess ergänzt sie die Programme, die ein Gebiet für seine vorrangigen auswählt. Die Programme setzen gezielt an, die Strategie sorgt dafür, dass der Alltag in Kita, Schule, Verein und Nachbarschaft in dieselbe Richtung wirkt. Im Aktionsplan stehen beide nebeneinander.

Für welches Alter eignet sich die Soziale Entwicklungsstrategie?

Für jedes Alter. Die drei Zutaten gelten für das Kindergartenkind, das beim Tischdecken hilft, genauso wie für die Jugendliche, die im Verein ein Training für Jüngere anleitet. Mit dem Alter ändert sich die Form: wie viel Mitsprache ein Kind überblicken kann, welche Fähigkeiten es erst lernen muss und welche Anerkennung es als ernst gemeint erlebt.

Die Schulungen gibt es deshalb in eigenen Fassungen für Kitas und für Schulen. Die Leiter der Beteiligung hilft einzuschätzen, welche Stufe der Mitwirkung zu einer Altersgruppe passt.

Wer schult die Einrichtungen, und was brauchen sie dafür?

Die Schulungen leiten Fachkräfte, die selbst geschult wurden und eine Ausbildung zur Schulungsleitung durchlaufen haben. Ihre ersten Schulungen führen sie gemeinsam mit einer erfahrenen Person durch. Danach leiten sie regelmäßig Schulungen und nehmen an Fortbildungstreffen teil, damit die Qualität über alle Einrichtungen gleich bleibt.

Eine Einrichtung braucht vor allem eine Kontaktperson mit Rückhalt der Leitung. Mit ihr klärt die Schulungsleitung im Einführungsplan, wer teilnimmt, wie die Arbeit an bestehende Routinen anknüpft und wer sie nachverfolgt. Eine Schulung dauert in der Regel zweieinhalb bis drei Stunden, die Kurzfassung etwa 45 Minuten.

Woran erkennt ein Gebiet, ob die Strategie wirkt?

Kurzfristig an der Umsetzung: Planen die Einrichtungen ihre Aktivitäten mit den drei Zutaten, führen Mitarbeitende das Wochenlogbuch, berichten die Einrichtungen in der Jahresauswertung? Diese Fragen beantwortet das selbst.

Langfristig zeigt es die . Sie erfasst unter anderem, ob Jugendliche in Familie und Schule Gelegenheiten zur Mitwirkung und Anerkennung dafür erleben. Das sind genau die , die die Strategie stärken will. Veränderungen zeigen sich über mehrere Befragungen, nicht nach einem Jahr.