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Programme · Externes Register

Grüne Liste Prävention.

Deutschlands zentrales, kostenfrei zugängliches Evidenzregister für Prävention und Gesundheitsförderung – und ein integraler Baustein in Phase 4 des CTC-Prozesses.

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Bewertungssystem

Drei Evidenzstufen.

Programme werden nach standardisierten Kriterien geprüft und einer von drei Evidenzstufen zugeordnet – basierend auf Studiendesign und Wirksamkeitsnachweisen. Wie die Zuordnung abläuft, zeigt Abb. 4.

Stufe 1

Effektivität theoretisch gut begründet

Konzept und Umsetzung erfüllen alle Prüfpunkte, und mindestens eine Evaluation auf dem Niveau null Sterne zeigt ein überwiegend positives Ergebnis, etwa eine Messung vor und nach der Maßnahme ohne Vergleichsgruppe.

Stufe 2

Effektivität wahrscheinlich

Konzept und Umsetzung erfüllen alle Prüfpunkte, und mindestens eine Evaluationsstudie mit einem bis drei Sternen zeigt ein überwiegend positives Ergebnis, in der Regel eine kontrollierte Studie ohne .

Stufe 3

Effektivität nachgewiesen

Konzept und Umsetzung erfüllen alle Prüfpunkte, und mindestens eine Evaluationsstudie mit vier oder fünf Sternen zeigt ein überwiegend positives Ergebnis bei mindestens hinreichender . Das Design schließt eine Nachmessung nach in der Regel sechs Monaten ein.

Grüne ListeAbb. 4

So wird ein Programm bewertet.

Fünf Aufnahmekriterien, vier Prüfschritte und eine Sternskala von null bis fünf: das Verfahren, mit dem ein Programm einer der drei Evidenzstufen zugeordnet wird.

Schema anzeigenAusklappenEinklappen

Was überhaupt geprüft wird.

Vor der Bewertung steht die Aufnahme. Fünf Kriterien entscheiden, ob eine Maßnahme als evaluiertes Präventionsprogramm in die Datenbank gehört.

  1. Wiederholbare Maßnahme

    Aufgenommen wird nur, was sich an einem anderen Ort und zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen lässt. Dafür braucht es eine ausdrückliche Handlungsanleitung, etwa ein geschriebenes oder ein Ablaufschema, überprüfbare Ziele, eine für die Teilnehmenden zeitlich begrenzte Dauer und eine Umsetzung zusätzlich zur vorhandenen Grundstruktur.

  2. Präventive Ausrichtung

    Ein Präventionsprogramm setzt ein, bevor das Problemverhalten auftritt oder sich verfestigt. In die Datenbank kommen Programme, die oder ansetzen und sich an alle oder an Gruppen mit erhöhtem Risiko richten. Für Ansätze, die bei ersten Anzeichen greifen oder tertiärpräventiv nach einer Verfestigung, eignet sich dasselbe Schema; sie passen nur nicht zur Ausrichtung von CTC.

  3. Evaluation im deutschsprachigen Raum

    Für das Programm liegt mindestens eine wissenschaftliche Evaluationsstudie aus dem deutschsprachigen Raum vor. Ohne diesen Nachweis erfolgt keine Aufnahme in die .

  4. Bezug zu Risiko- und Schutzfaktoren

    Das Programm senkt mindestens einen Risikofaktor oder stärkt mindestens einen Schutzfaktor. Einbezogen sind nur jene , die innerhalb der CTC-Strategie für jugendliches Problemverhalten als bedeutsam gelten: Gewalt, Delinquenz, Substanzmissbrauch, Schulabbruch, frühe Schwangerschaften sowie Depressionen und Ängste.

  5. Umsetzbar in Deutschland

    Materialien, Fortbildungen und fachliche Begleitung bei der Einführung sind hierzulande verfügbar. Ausgenommen sind Programme, die ohne gesonderte Begleitung auskommen.

  1. Schritt 1 · Prüfung der Konzept- und Umsetzungsqualität

    Erklärt das Programm, warum es wirken soll?

    Zuerst wird geprüft, ob ein Programm seine eigene Wirkungsannahme benennt und ob es sich sauber umsetzen lässt. Verlangt sind ein ausformuliertes Wirkmodell (), daraus nachvollziehbar abgeleitete Handlungsanleitungen und die Mittel, die eine Kommune für die Einführung braucht: Materialien, Schulungen, transparente Kosten und Instrumente der Qualitätskontrolle.

    1aKonzept8 Prüfpunkte
    • Ein theoretisch begründetes Modell benennt die angenommenen Wirkfaktoren und bezieht sich auf anerkannte wissenschaftliche Modelle.
    • Die eingesetzten Methoden und Instrumente sind theoretisch begründet.
    • Problemanalyse, beeinflussbare Faktoren, Ziele, Zielgruppen und Methoden hängen erkennbar zusammen.
    • Das Programm knüpft an Risiko- und Schutzfaktoren an, die aus der Forschung bekannt sind.
    • Die Zielgruppen sind genau und vollständig beschrieben.
    • Handlungsanleitungen und Manuale sind nachvollziehbar aus dem Modell abgeleitet.
    • Die Ziele sind ausdrücklich formuliert und messbar.
    • Bei einer Entwicklung außerhalb Deutschlands sind der ursprüngliche Kontext und die vorgenommenen Anpassungen beschrieben.
    1bUmsetzung6 Prüfpunkte
    • Methoden und Instrumente sind didaktisch aufbereitet und nachvollziehbar beschrieben.
    • Die benötigten Materialien und Manuale sind verfügbar und auf aktuellem Stand.
    • Notwendige Schulungen und Fortbildungen bestehen.
    • Die entstehenden Kosten sind transparent.
    • Eine fachliche Begleitung bei der Umsetzung steht bereit.
    • Instrumente für die Qualitätskontrolle der Umsetzung sind verfügbar.
    1cEvaluation1 Prüfpunkt
    • Mindestens eine Evaluation auf dem Niveau null Sterne zeigt ein überwiegend positives Ergebnis.
    • Die ersten drei Punkte der Konzeptqualität sind nicht erfüllt

      keine Aufnahme

    • Einzelne Punkte bleiben offen

      auf der Schwelle

    • Alle Punkte sind erfüllt

      weitermit Schritt 2

  2. Schritt 2 · Prüfung des Evaluationsniveaus und der Beweiskraft

    Wie sicher kann die Studie eine Wirkung zuschreiben?

    Jede vorliegende Evaluationsstudie bekommt ein Niveau von null bis fünf Sternen. Ausschlaggebend ist, wie gut ihr Design eine Veränderung dem Programm zurechnen kann: ob zufällig zugewiesen wurde (), ob die Vergleichsgruppe gebildet oder als über die Zeit verfolgt wurde, und ob ein von in der Regel sechs Monaten zeigt, dass die Wirkung über das Programmende hinaus anhält.

    • Unter null Sternen, also nur Literaturauswertung oder Prozessbeschreibung

      auf der Schwelle

    • Null bis fünf Sterne

      weitermit Schritt 3

    Sternskala der Evaluationsdesigns
    1. 5 von 5 Sternen
      • RCT mit Follow-up, in der Regel sechs Monate

      Höchstes Niveau. Reicht für Stufe 3, sobald die Beweiskraft mindestens hinreichend ist.

    2. 4 von 5 Sternen
      • Quasi-experimentelle Studie mit Follow-up, in der Regel sechs Monate
      • Kohortendesign mit Follow-up, in der Regel sechs Monate

      Ebenfalls anschlussfähig an Stufe 3, sobald die Beweiskraft mindestens hinreichend ist.

    3. Schwellenwert Stufe 3: Effektivität nachgewiesen
    4. 3 von 5 Sternen
      • RCT ohne Follow-up
      • Quasi-Experiment in der Praxis ohne Follow-up
      • Kohortendesign ohne Follow-up

      Schwache Beweiskraft: die Wirkung ist gemessen, ihr Fortbestand nicht.

    5. 2 von 5 Sternen
      • Rein klinisches RCT oder klinisches Quasi-Experiment, mit oder ohne Follow-up
      • Messung vor und nach der Maßnahme mit Kontrollgruppe in der Praxis

      Vorläufige Beweiskraft.

    6. 1 von 5 Sternen
      • Benchmark- oder Norm-Referenz-Studie
      • Theory-of-Change-Studie

      Vorläufige Beweiskraft.

    7. Schwellenwert Stufe 2: Effektivität wahrscheinlich
    8. 0 von 5 Sternen
      • Zufriedenheitsbefragung der Teilnehmenden
      • Messung vor und nach der Maßnahme ohne Kontrollgruppe
      • Messung der Zielerreichung
      • Studie zur Qualitätssicherung

      Keine Beweiskraft im Sinne des Schemas, aber genug für Stufe 1.

    9. Schwellenwert Stufe 1: Effektivität theoretisch gut begründet
    10. Unterhalb von null Sternen
      • Literatur- und Dokumentenauswertung
      • Prozessbeschreibung

      Keine Aussage über die Wirkung möglich. Solche Arbeiten halten fest, was geschehen ist; ohne und ohne Messung vor und nach der Maßnahme lässt sich daraus keine Veränderung ableiten.

    Beweiskraft bei vier und fünf Sternen
    1. schwache Beweiskraft

      Interventions- und Kontrollgruppe mit weniger als 20 Personen. Oder: keine Studie mit vier bis fünf Sternen im deutschsprachigen Raum, wohl aber eine oder mehrere ausländische Studien mit mindestens hinreichender Beweiskraft; dann entscheidet die über die Einstufung.

    2. hinreichende Beweiskraft

      Interventions- und Kontrollgruppe mit 20 bis 50 Personen und mindestens eine Studie im deutschsprachigen Raum. Oder: zwei und mehr Studien mit vier bis fünf Sternen und Gruppen unter 20 Personen im deutschsprachigen Raum.

    3. starke Beweiskraft

      Interventions- und Kontrollgruppe mit mehr als 50 Personen. Oder: zwei und mehr Studien mit hinreichender Beweiskraft im deutschsprachigen Raum, die mehrdimensional befragt haben.

    4. sehr starke Beweiskraft

      Die Bedingungen der starken Beweiskraft und zusätzlich ein groß angelegtes Feldexperiment im deutschsprachigen Raum. Oder: die Bedingungen der starken Beweiskraft und zusätzlich zwei oder mehr ausländische Studien mit starker Beweiskraft.

    1 bis 3 Sterne: vorläufige Beweiskraft bei einem bis zwei Sternen, schwache bei drei Sternen · 0 Sterne: keine Beweiskraft

    Übertragbarkeit bei Programmen aus dem Ausland
    • gegeben

      Mehrere Studien mit mindestens hinreichender Beweiskraft im deutschsprachigen Raum.

    • wahrscheinlich

      Mindestens eine solche Studie im deutschsprachigen Raum.

      Schwellenwert
    • möglich

      Keine Studie im deutschsprachigen Raum, aber eine ausreichende Begründung über vergleichbare Zielgruppen und Umstände.

      Stufe 1
    • unklar

      Weder eine Studie im deutschsprachigen Raum noch eine solche Begründung.

      auf der Schwelle
  3. Schritt 3 · Prüfung der Evaluationsergebnisse

    Zeigt die Studie einen Effekt in die erwünschte Richtung?

    Berücksichtigt werden Studien, die ihre Ergebnisse nach allgemeinen wissenschaftlichen Standards nachvollziehbar darstellen. Liegt eine vor, gehört eine berechnete dazu, möglichst Cohens d. Verlangt ist mindestens ein in einer relevanten Verhaltensdimension und bei mindestens einer Zielgruppe; liegt ein Follow-up vor, das mindestens sechs Monate nach Abschluss der Maßnahme erhoben wurde, muss dort mindestens ein positiver Effekt anhalten.

    • Überwiegend positiv

      Empfehlungweiter mit Schritt 4

    • Teils positiv und negativ oder unklar

      auf der Schwelle

    • Keine oder negative Effekte

      keine Aufnahme

    Fünf Grade der Ergebnisbeurteilung
    1. nur positiv

      Bei allen gemessenen Dimensionen ein in die erwünschte Richtung.

    2. überwiegend positiv

      Bei der Mehrzahl der gemessenen Dimensionen ein positiver signifikanter Effekt. Ab hier spricht die Datenbank eine Empfehlung aus.

      Empfehlung
    3. teils positiv und negativ

      Mehrere Dimensionen gehen in die unerwünschte Richtung.

      auf der Schwelle
    4. kein Effekt

      Keine der gemessenen Dimensionen verändert sich bedeutsam.

      keine Aufnahme
    5. überwiegend negativ oder nur negativ

      Die gemessenen Dimensionen gehen mehrheitlich oder durchgängig in die unerwünschte Richtung.

      keine Aufnahme
  4. Schritt 4 · Gesamtbewertung

    Drei Prüfungen ergeben eine Stufe.

    Erst zusammen ergeben die drei Prüfungen die Einstufung: Konzept- und Umsetzungsqualität, Evaluationsniveau samt und die Richtung der Ergebnisse. Empfohlen werden die Stufen 1 bis 3. Daneben stehen die Kategorien „auf der Schwelle“ für ein noch unentschiedenes Bild und „keine Aufnahme“, wenn Grundlegendes fehlt oder die Wirkung ausbleibt.

    • Null Sterne, überwiegend positiv

      Stufe 1Effektivität theoretisch gut begründet

    • Ein bis drei Sterne, überwiegend positiv

      Stufe 2Effektivität wahrscheinlich

    • Vier bis fünf Sterne, mindestens hinreichende Beweiskraft

      Stufe 3Effektivität nachgewiesen

    Gesamtübersicht
    Gesamtübersicht des Bewertungsschemas: Konzept- und Umsetzungsqualität, Evaluationsniveau mit Beweiskraft und Evaluationsergebnisse ergeben zusammen die Gesamtbewertung.
    KonzeptEvaluationsniveauErgebnisseBewertung
    1a bis 1c erfüllt4 bis 5 Sterne, hinreichende Beweiskraft oder besserüberwiegend positivStufe 3
    1a bis 1c erfüllt1 bis 3 Sterne, oder 4 bis 5 Sterne mit nur schwacher Beweiskraftüberwiegend positivStufe 2
    1a bis 1c erfüllt0 Sterneüberwiegend positivStufe 1
    1a bis 1c teilweise erfülltkeine Evaluation oder unterhalb von 0 Sternenteils positiv und negativ, oder unklarauf der Schwelle
    1a bis 1c nicht erfülltalle Niveauskeine oder negative Effektekeine Aufnahme
    • Stufe 3
      Konzept
      1a bis 1c erfüllt
      Evaluationsniveau
      4 bis 5 Sterne, hinreichende Beweiskraft oder besser
      Ergebnisse
      überwiegend positiv
    • Stufe 2
      Konzept
      1a bis 1c erfüllt
      Evaluationsniveau
      1 bis 3 Sterne, oder 4 bis 5 Sterne mit nur schwacher Beweiskraft
      Ergebnisse
      überwiegend positiv
    • Stufe 1
      Konzept
      1a bis 1c erfüllt
      Evaluationsniveau
      0 Sterne
      Ergebnisse
      überwiegend positiv
    • auf der Schwelle
      Konzept
      1a bis 1c teilweise erfüllt
      Evaluationsniveau
      keine Evaluation oder unterhalb von 0 Sternen
      Ergebnisse
      teils positiv und negativ, oder unklar
    • keine Aufnahme
      Konzept
      1a bis 1c nicht erfüllt
      Evaluationsniveau
      alle Niveaus
      Ergebnisse
      keine oder negative Effekte
Quellen
  1. Kriterien, Sternskala und Gesamtübersicht: Groeger-Roth, F., & Hasenpusch, B. (2011). Grüne Liste Prävention: Auswahl- und Bewertungskriterien für die CTC-Programm-Datenbank (Fassung vom 1.11.2011). Landespräventionsrat Niedersachsen. gruene-liste-praevention.de/communities-that-care/Media/Grne_Liste_Bewertungskriterien.pdf Eintrag im Verzeichnis
  2. Entwicklungsmodell: Veerman, J. W., & van Yperen, T. A. (2007). Degrees of freedom and degrees of certainty: A developmental model for the establishment of evidence-based youth care. Evaluation and Program Planning, 30(2), 212–221. doi.org/10.1016/j.evalprogplan.2007.01.011 Eintrag im Verzeichnis
  3. Einordnung des Registers: Groeger-Roth, F., Hasenpusch, B. (2011). Die „Grüne Liste Prävention“. Effektive und erfolgversprechende Präventionsprogramme im Blick. forum-kriminalpraevention.de/files/1Forum-kriminalpraevention-webseite/pdf/2011-04/fk2011_4_grueneliste_praevention.pdf Eintrag im Verzeichnis
  4. Überarbeitung der Kriterien: Gorenoi, V., Bremer, K., & Brender, R. (2024). Evidenzregister „Grüne Liste Prävention“: Modifikation der Bewertungskriterien auf Basis international relevanter Kategorisierungskonzepte. German Medical Science GMS Publishing House. doi.org/10.3205/24gmds685 Eintrag im Verzeichnis
  5. Analyse der gelisteten Programme: Brender, R., Bremer, K., Kula, A., Groeger-Roth, F., & Walter, U. (2024). Evidenzregister Grüne Liste Prävention – Analyse der gelisteten wirksamkeitsgeprüften Programme. Das Gesundheitswesen, 86(07), 474–482. doi.org/10.1055/a-2308-7256 Eintrag im Verzeichnis

Das Kriterienpapier steht als PDF des Landespräventionsrats Niedersachsen bereit (Fassung vom 1.11.2011).

Abb. 4Auswahl- und Bewertungskriterien der Grünen Liste Prävention nach Groeger-Roth & Hasenpusch (2011), Fassung vom 1.11.2011.
Die ganze Geschichte
Inhaltsverzeichnis
  1. 01Das Evidenzregister für Prävention und Gesundheitsförderung
  2. 02Entwicklung und Kontext
  3. 03Aufnahme- und Bewertungsverfahren
  4. 04Inhalte des Registers
  5. 05Bedeutung und Ausblick

Das Evidenzregister für Prävention und Gesundheitsförderung

Die ist ein öffentlich zugängliches und kostenfrei nutzbares Online-Evidenzregister, das evaluierte Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung (PGF) systematisch zusammenstellt. Ihr primäres Ziel ist es, Akteure in Praxis und Politik sowie anderen Interessierten die bedarfsgerechte Auswahl wirksamkeitsgeprüfter Programme zu ermöglichen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Angesichts der Vielzahl existierender PGF-Maßnahmen unklarer Güte und der oft bestehenden Lücke zwischen der wissenschaftlichen Forderung nach Evidenz und der praktischen Umsetzung soll das Register evidenzbasiertes Handeln erleichtern. Es trägt dazu bei, die Anwendung unwirksamer oder potenziell schädlicher Maßnahmen zu vermeiden und unterstützt eine effiziente Ressourcensteuerung. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stuft die Grüne Liste Prävention als „Best Evidence“-Datenbank ein.

Entwicklung und Kontext

Die Grüne Liste Prävention wurde 2011 vom Niedersachsen (LPR) initiiert. Die Entwicklung erfolgte im Rahmen des Transfers der kommunalen Rahmenstrategie „Communities That Care“ (CTC) nach Deutschland, mit Vorbildern wie dem US-amerikanischen Register „Blueprints for Healthy Youth Development“ und der niederländischen „Databank Effectieve Jeugdinterventies“. Seit 2016 wird das Register in Kooperation zwischen dem LPR und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geführt, gepflegt und weiterentwickelt. Es ist integraler Bestandteil von CTC sowie adaptierter Rahmenstrategien wie Schools That Care“ (STC) und Weitblick, die Kommunen und Schulen bei der Auswahl, Implementation und Qualitätsentwicklung evidenzbasierter Programme unterstützen.

Aufnahme- und Bewertungsverfahren

Die Aufnahme von PGF-Maßnahmen in die Grüne Liste Prävention erfolgt nach einem standardisierten Verfahren. Programme können über die Webseite vorgeschlagen werden oder werden durch Eigenrecherche des Projektteams identifiziert. Jede Maßnahme wird anhand definierter Kriterien hinsichtlich ihrer Evaluations-, Konzept- und Umsetzungsqualität geprüft. Zu den Kriterien zählen u. a. die aktuelle Verfügbarkeit, das Vorhandensein eines logischen Wirkmodells, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und insbesondere die Qualität der Evaluationsstudie.

Basierend auf dem Evaluationsdesign und dem Nachweis positiver Effekte werden die Programme einer von drei Evidenzstufen zugeordnet:

  • Stufe 1: Effektivität theoretisch gut begründet: Erfordert mindestens eine Evaluationsstudie mit positiven Ergebnissen, z. B. eine Prä-Post-Studie ohne .
  • Stufe 2: Effektivität wahrscheinlich: Erfordert mindestens eine kontrollierte Studie ( oder randomisiert-kontrolliert) mit positiven Ergebnissen, jedoch ohne Follow-up-Untersuchung.
  • Stufe 3: Effektivität nachgewiesen: Erfordert mindestens eine kontrollierte Studie mit positiven Ergebnissen und einer Follow-up-Untersuchung von mindestens sechs Monaten.

Nur Programme, die mindestens Stufe 1 erreichen und aktuell verfügbar sind, werden gelistet. Wie die Prüfung Schritt für Schritt abläuft, zeigt das Bewertungsschema (Abb. 4); die vollständigen Aufnahme- und Bewertungskriterien stehen als PDF des Landespräventionsrats Niedersachsen bereit (Fassung vom 1.11.2011).

Inhalte des Registers

Aktuell sind 114 Programme gelistet, die sich primär auf die Förderung der psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Altersbereich 0-18 Jahre) konzentrieren.

  • Thematische Schwerpunkte: Gewaltprävention (inkl. Mobbing), Suchtprävention und psychische Gesundheit sind häufig vertreten. Ernährung und Bewegung sind weniger repräsentiert, eine Erweiterung des Registers um diese Themenbereiche ist jedoch im Gange.
  • Programmtypen: Sozial- und/oder Lebenskompetenztrainings machen den größten Anteil aus, gefolgt von Trainings für Erziehungsberechtigte. Verhältnispräventive Ansätze sind bisher unterrepräsentiert.
  • Zielgruppen: Die meisten Programme richten sich an Jugendliche (11-18 Jahre) und Grundschulkinder (6-10 Jahre), während der frühkindliche Bereich (0-3 Jahre) seltener adressiert wird Neben der primären Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen werden häufig auch sekundäre Zielgruppen wie Lehrkräfte und Eltern/Erziehungsberechtigte einbezogen.
  • Settings: Das häufigste Setting ist die Schule, gefolgt von Kommune und Familie.
  • Förderfähigkeit: Ein Großteil der Programme lässt sich den Förderkriterien der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach § 20 SGB V zuordnen.

Jeder Programmeintrag bietet detaillierte Informationen zu Zielen, , Zielgruppen, Methoden, Evaluationsergebnissen, Kosten, Implementationsaspekten und Ansprechpersonen. Die Einträge werden durch Verschlagwortung und Suchfunktionen zugänglich gemacht, um eine ressourcensparende und passgenaue Auswahl zu unterstützen.

Bedeutung und Ausblick

Die Grüne Liste Prävention leistet einen wichtigen Beitrag zur Evidenzbasierung in der PGF-Praxis in Deutschland, insbesondere für Kommunen und Initiativen, die nach dem CTC-Rahmen arbeiten. Durch die strukturierte und anwendungsfreundliche Aufbereitung von Informationen über wirksame Interventionen unterstützt sie Fachkräfte und Entscheidungsträge innerhalb des CTC-Prozesses maßgeblich bei der Auswahl geeigneter, evidenzbasierter Maßnahmen (Phase 4 & 5), die auf die lokal identifizierten Risiko- und Schutzfaktoren zugeschnitten sind. Die laufende Erweiterung um die Themen Ernährung und Bewegung sowie die stärkere Berücksichtigung von verhältnispräventiven Maßnahmen und Setting-Ansätzen wird das Spektrum des Registers verbreitern und somit die Handlungsmöglichkeiten für CTC-Koalitionen erweitern. Das Register ist somit ein unverzichtbarer Baustein für CTC-Anwender, um die Lücke zwischen der Forderung nach Evidenz und der Anwendung in der Praxis zu schließen und gezielt zur Verbesserung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen in ihrer spezifischen Gemeinschaft beizutragen.